Vier Worte, mehr braucht es nicht, um das Prinzip von fraisr.com zu beschreiben. „Koofen. Verkoofen. Jutes tun.“ So steht es auf einem roten Aufkleber, den das Berliner Start-up zu seinem Start gedruckt hat. Zumindest für Berliner dürfte damit klar umrissen sein, worum es auf der Internet-Plattform geht: Geschäfte machen für einen guten Zweck.

Es ist kein Zufall, dass die drei Firmengründer ihre Botschaft so klar formulieren können, zwei von ihnen haben früher ihr Geld mit so etwas verdient: Alex Schwaderer und Lukas-C. Fischer arbeiteten bis Mai für eine bekannte Berliner Werbeagentur. Nachdem sie jahrelang Kampagnen für andere entwickelt haben, wollten sie etwas Eigenes gründen – und damit Gutes tun, für sich und andere.

Social Commerce, das Handeln in und mit digitalen Netzwerken, ist seit längerem im Trend. Auf fraisr.com geht es aber nicht darum, mit dem virtuellen Bekanntenkreis Produkte zu bewerten oder durch gemeinsames Einkaufen Rabatte auszuhandeln. Fraisr ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus friends und fundraising, gemeint ist: Geld sammeln über den Freundeskreis.

Einnahmen für einen guten Zweck

Früher wurde für so etwas ein Flohmarkt in der Kita veranstaltet oder ein Kuchenverkauf im Sportverein. Wie sich Fraisr das heute vorstellt, ist in einem Video auf der Startseite zu sehen. Bastler Frederik erzählt darin, dass er Fahrrad-Teile verkaufen will. Sarah will ihren privaten Fundus an Theaterkostümen verkleinern. Dessous-Händlerin Claudia bietet die Unterwäsche ihres Labels an. Das Besondere: Alle drei lassen einen Teil der Erlöse oder sogar die kompletten Einnahmen einem guten Zweck zukommen.

„Wir wollen das Spenden alltäglicher machen“, sagt Mitgründer Alex Schwaderer. Zur Bank gehen und eine Spendenüberweisung ausfüllen – so etwas machten junge Menschen heute nicht mehr. Trotzdem gebe es ein weit verbreitetes „diffuses Sich-Engagieren-Wollen“, sagt Lukas-C. Fischer. Das löse sich nur bei Geld schnell auf. „Was bringt es, die Petition für Pussy Riot nur auf Facebook zu liken?“ Mit Fraisr soll es deshalb besonders unkompliziert sein, wohltätige Initiativen auch finanziell zu unterstützen.

Diese Idee kommt zur richtigen Zeit: Die Deutschen spenden zwar immer noch rund vier Milliarden Euro pro Jahr, doch der Betrag wird nach Angaben des Deutschen Spendenrates in diesem Jahr wohl 5,5 Prozent niedriger ausfallen. Das kann an der Wirtschaftskrise liegen oder daran, dass neue Formen der Wohltätigkeit gefragt sind.

Am eigenen Profil feilen

Bei Fraisr funktioniert das Spenden so: Wenn jemand einen Artikel einstellt, legt er fest, welcher Organisation der Verkauf zugutekommen soll, in der Liste stehen etwa der Bundesverband Deutsche Tafel, Reporter ohne Grenzen oder Gemeinsam für Afrika. Der Verkäufer bestimmt, welchen Teil er spenden will. Das Geld kann aber auch einem selbst festgelegten Zweck zufließen, etwa dem Umbau des Schul-Spielplatzes.

Kommt ein Verkauf zustande, überweist der Käufer die Kaufsumme. Beim Verkäufer bucht Fraisr sechs Prozent der Summe als Provision ab und vom Rest den festgelegten Spendenanteil, der monatlich an die Hilfsorganisationen ausgeschüttet wird. Damit dabei alles glatt läuft, haben sich die Fraisr-Gründer juristisch abgesichert. Zudem gebe es noch die soziale Kontrolle, sagt Fischer – verkauft werde die alte Lederjacke oder die Plattensammlung schließlich im digitalen Freundeskreis.

Für den Start hat Fraisr eine sechsstellige Anschubfinanzierung eingesammelt. Die Gründer konnten die Investoren offensichtlich davon überzeugen, dass die Geschäfte auf Fraisr für alle Beteiligten ihr Gutes haben. Die Initiativen bekommen Geld, die Käufer machen Schnäppchen-Käufe und können sich zudem mit ihrem „sozialen Konsum“ auf Facebook und Twitter brüsten sowie am eigenen „Profil“ feilen. So wie viele Firmen ihr Image mit „grünen“ Umweltprogrammen aufbessern, könnten Geschäftsleute wie die Dessoushändlerin ihr soziales Gewissen unterstreichen und zugleich ein Geschäft machen.

Es ist eine neue Form für ein durchaus altbewährtes Prinzip. Um das zu beschreiben, brauchte es bisher auch nicht mehr als fünf Worte: Tue Gutes und sprich darüber.