Strom vom Dach.
Foto:  Rolf Haid/dpa

BerlinBeim Kreuzberger Start-up Zolar in der Oranienstraße wurde dieser Tage ein wenig gefeiert. Grund gab es genug. Immerhin hatte man 15 Millionen Euro bei Investoren eingesammelt. Frisches Kapital, das dem Unternehmen helfen soll, die Umsetzung seiner Vision zu beschleunigen. „Wir wollen die Energiewelt revolutionieren und dazu beitragen, die Klimakrise abzuwenden“, sagt Zolar-Chef Alex Melzer. Unter dem geht’s nicht.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: Fraunhofer, tagesschau.de

Das 2016 gegründete Unternehmen vertreibt Solaranlagen. Die Zielgruppe sind Eigenheimbesitzer. Ihnen will man helfen „die Energiewende in den eigenen vier Wänden voranzutreiben“. Die passende Anlage dafür kann per Online-Konfigurator geplant werden. Maßgeschneidert geliefert und installiert wird zum Festpreis. Dafür hat Zolar ein Netzwerk von lokalen Partnerbetrieben unter Vertrag, die die Montage vor Ort übernehmen. Das Start-up selbst beschäftigt deutschlandweit mittlerweile 100 Mitarbeiter.

Tatsächlich laufen die Geschäfte gut. Zolar profitiert vom neuen Solarboom in Deutschland. Zwar nennt man keine konkreten Zahlen zum Umsatz, doch habe sich dieser in diesem Jahr gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum trotz Covid-19-Pandemie verdoppelt. Die neue Investition soll nun die internationale Expansion vorantreiben. „Wer an Solaranlagen denkt, soll Zolar im Sinn haben“ sagt CEO Melzer. Zugleich will das Start-up angeschlossene Handwerksbetriebe bei der Digitalisierung ihrer internen Prozesse unterstützen.

Wichtigster Geldgeber ist erneut der auf grüne Technologien spezialisierte tschechische Venture-Capital-Fonds Inven Capital. Der Investor war auch vor einem Jahr schon dabei, als zehn Millionen Euro in Zolar investiert wurden und hat weiterhin große Erwartungen. „Wir sehen starke Anzeichen für eine antizyklische Entwicklung im Photovoltaik-Markt“, sagt Petr Míkovec von Inven Capital und stellt fest, dass wegen der Pandemie und der Rezession Konsumenten Energieunabhängigkeit und gleichzeitig eine Werterhöhung ihres Eigenheims anstrebten. Davon will man profitieren.

Aktuell gibt es in Deutschland mehr als 1,7 Millionen Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 49,5 Gigawatt. Sie liefern etwa neun Prozent des hierzulande produzierten Stroms. Und tatsächlich erlebt die Nutzung der Sonnenenergie zur Stromerzeugung derzeit eine Renaissance. Denn nachdem der deutsche Solarmarkt 2013 eingebrochen war und danach viele Jahre auf niedrigem Niveau verharrte, kam der Markt 2018 wieder in Schwung. Im vergangenen Jahr wurden Photovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 3,94 Gigawatt neu installiert – dreimal zu viel wie 2015. Insgesamt wurden 2019 in Deutschland 46,5 Terawattstunden Strom aus der Sonne gewonnen.

In Berlin gibt es laut Auskunft von Stromnetz Berlin derzeit gut 7600 Solaranlagen mit einer Gesamtleistung von 0,1 Gigawatt. Ein im Frühjahr vom Berliner Senat beschlossener Masterplan Solarcity sieht den Ausbau der Solarenergie in der Stadt vor. Bis 2050 soll der Solarstromanteil in Berlin von derzeit 1,3 auf 25 Prozent ansteigen. 2019 lieferten die Berliner Solaranlagen so viel Strom, wie etwa 20.000 Drei-Personen-Haushalte benötigen.

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