Die Verwaltungsgebäude von Bertelsmann in Gütersloh.   
Foto: Bernd Thissen/dpa 

BerlinIn den eher bedrückenden Zeiten der Corona-Pandemie hat Thomas Rabe, Chef des größten europäischen Medienunternehmens Bertelsmann, immerhin noch eine positive Nachricht zu verkünden: „Die Menschen haben derzeit ein großes Bedürfnis nach Information und Unterhaltung“, sagte er am Dienstag bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2019. Davon profitiert der Medienkonzern mit Sitz im ostwestfälischen Gütersloh ganz gewaltig. Ihm gehören die Sendergruppe RTL, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (Stern, Geo), der Film- und Fernsehproduzent Ufa („Charité“, „Unsere wunderbaren Jahre“, „Deutschland sucht den Superstar“), der Buchverlagsgruppe Penguin Random House und der Musikrechteverwerter BMG.

Man kann allerdings nicht sagen, dass die Coronavirus-Krise Bertelsmann gänzlich unbeeindruckt ließe. Denn Medien finanzieren sich auch ganz wesentlich aus Werbung. Und das Werbegeschäft steht wegen der drohenden Rezession, ausgelöst von der Pandemie, schon jetzt erheblich unter Druck. Konkret heißt dies, dass die Werbeerlöse von RTL und Gruner + Jahr im ersten Quartal noch recht befriedigend ausgefallen sind, wobei es – zumindest bei RTL – bereits im laufenden Monat erste Corona-bedingte Bremsspuren gegeben hat. Prognosen für das zweite Quartal hält Rabe für „schwierig“.

Kurzarbeit ist die Ausnahme

Die vom Virus verursachte Krise trifft Bertelsmann auch noch an anderer Stelle: Einige Ableger der Dienstleistungstochter Arvato haben bereits Kurzarbeit angeordnet. Betroffen ist – wegen der behördlich verfügten Schließung von Buchläden – beispielsweise die Buchlogistik. Andere Bereiche könnten hinzukommen. Derzeit schätzt Rabe die Zahl der Kurzarbeiter im Unternehmen auf „einige wenige hundert“. Insgesamt hat der Konzern über 126.000 Mitarbeiter.

Dennoch: Unterm Strich sind wohl nur wenige große Medienunternehmen so gut für die bevorstehenden harten Zeiten gerüstet wie Bertelsmann. Während Wettbewerber bereits 2019 rückläufige Umsätze und Ergebnisse verzeichneten, verlief das abgelaufene Geschäftsjahr für die Ostwestfalen laut Konzernchef Rabe erfolgreich. Die Erlöse lagen erstmals seit 2007 wieder bei über 18 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) erreichte mit 2,9 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert. Unterm Strich blieben 1,1 Milliarden Euro hängen.

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Nahezu alle Unternehmensbereiche verzeichneten organisches Wachstum. Besonders stark wuchsen die Digitalgeschäfte, auf die nun 51 Prozent der Bertelsmann-Erlöse entfallen. Erfolgreich ist offenbar die Bündelung der Werbe-Aktivitäten des Konzerns in der neu gegründeten Web Alliance. Dass inzwischen sogar der Wettbewerber Axel Springer (Bild, Welt) seine Digital-Angebote von der Bertelsmann-Tochter vermarkten lässt, erwähnte Rabe nicht ohne Stolz.

Vielschichtig ist das Verhältnis der Bertelsmann-Tochter RTL zum Konkurrenten Pro Sieben Sat 1. Zwar arbeitet man bei dem Unternehmen D-Force zusammen, das für beide TV-Konzerne individuell adressierbare Werbung für das analoge Fernsehen entwickelt. Der von Pro Sieben Sat 1 gewünschten Kooperation bei der Streaming-Plattform Joyn verweigert sich RTL jedoch – auch aus kartellrechtlichen Gründen, wie Rabe sagte. Andererseits wiederholte der Konzern-Chef seine Forderung, in Deutschland müsse es angesichts der Konkurrenz von US-Plattformen wie Netflix und Amazon Prime „einen nationalen TV-Champion“ geben. Dass dies RTL sein soll, das nach einer Änderung des Wettbewerbsrechts bei Pro Sieben Sat 1 einsteigen könnte, versteht sich von selbst.

Trotz aller Kraftmeierei: Auf eine Prognose für 2020 verzichtete Rabe angesichts der sich abzeichnenden weltweiten Rezession vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Wettbewerber Axel Springer hatte seine erst am 11. März veröffentlichte Prognose am Montagabend nach Börsenschluss wegen der heraufziehenden Krise wieder kassiert.