Berufsausbildung: Immer mehr junge Leute brechen die Lehre ab

Köln - Immer mehr junge Leute in Deutschland brechen ihre Berufsausbildung ohne Abschluss ab. Der Anteil der vorzeitig gelösten Lehrverträge stieg bundesweit von gut 22 Prozent im Jahr 2010 auf 25 Prozent 2015. Besonders hoch ist die Abbrecher-Quote in Berlin, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo jeweils mehr als ein Drittel der der betrieblichen Ausbildungen vorzeitig beendet wurden.

In westdeutschen Flächenländern werden demgegenüber deutlich weniger Verträge vor Ende der Ausbildung gekündigt. In Baden-Württemberg sind es 21,5, in Bayern 22, in Hessen 23 und in NRW 24 Prozent.

Duales Ausbildungssystem in Deutschland steckt in der Krise

Allerdings liegen auch diese Anteile Besorgnis erregend hoch. Insgesamt verweisen die Daten, die die Bertelsmann Stiftung am Montag in ihrem „Ländermonitor berufliche Ausbildung 2017“ veröffentlicht hat, auf einen immer offensichtlicher zu Tage tretenden Befund: Das viel gerühmte duale Ausbildungssystem in Deutschland steckt in der Krise.

Es hat „in den vergangenen zwei Jahrzehnten sowohl in absoluten Zahlen als auch anteilig kontinuierlich an Bedeutung verloren“, schreiben die Autoren. So kamen 2007 auf 100 Beschäftigte in Deutschland statistisch noch 6,4 Auszubildende. 2015 waren es nur mehr 5,1 Azubis - ein Rückgang um gut 20 Prozent binnen weniger Jahre. Ostdeutsche Länder sind hiervon stärker betroffen als westliche: In Mecklenburg-Vorpommern halbierte sich der Anteil der Azubis im Verhältnis zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten von acht auf vier zu 100.

Zahl der ausbildenden Betriebe geht zurück

Neben der hohen Abbruchquote trägt hierzu die sinkende Zahl derjenigen bei, die eine Lehre überhaupt erst in Angriff nehmen. Von den Schulabgängern, die keine Uni oder Fachhochschule besuchen, begannen 2015 bundesweit nur noch gut 50 Prozent eine duale Ausbildung. In acht der 16 Bundesländer lag der Anteil noch darunter. Die Spanne reicht von 43 Prozent in Baden- Württemberg bis zu 60 Prozent in Hamburg.

Zwar ging zugleich auch die Zahl der ausbildenden Betriebe zurück, gleichwohl hat sich die Lage der verbliebenen Lehrstellenbewerber insgesamt entspannt: Kamen 2007 bundesweit noch 85 offene Lehrstellen auf 100 Bewerber, so standen 2016 bereits 94 Ausbildungsplätze auf 100 Bewerber zur Verfügung. Trotz dieses leichten Nachfrageüberhangs blieben in diesem Jahr 40 000 oder 7,7 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt.

Wachsenden Zuspruchs erfreut sich dem Bertelsmann-Report zufolge dagegen die schulische Berufsausbildung, die im Erziehungs-, Gesundheits- und Sozialwesen eine tragende Rolle spielt. Der Anteil der Schulabgänger, die in diesen Bereich einmündeten, stieg zwischen 2007 und 2015 bundesweit von 18,3 auf 21,9 Prozent. Besonders in ostdeutschen Ländern sind schulische Berufsausbildungen verbreitet.

Eklatanter Lehrstellenmangel in vielen Städten

In Sachsen-Anhalt lag der Anteil der Schulabgänger bei fast 33 Prozent, in Berlin sogar bei knapp 35 Prozent, in Sachsen, Brandenburg und Thüringen zwischen 30,8 und 32 Prozent. Am anderen Ende der Skala finden sich westdeutsche Flächenländer wie Baden-Württemberg (17,1 Prozent), NRW (20,5) und Hessen (21,2).

Allerdings überdecken diese Zahlen teils beträchtliche Unterschiede innerhalb der Länder. So herrscht in manchen Arbeitsagenturbezirken des Ruhrgebietes wie Oberhausen, Gelsenkirchen, Hamm und Hagen ein eklatanter Lehrstellenmangel, während in Köln, Bonn und benachbarten Bezirken die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze annähernd die der Bewerber erreicht.

Gleiches gilt für Sachsen-Anhalt, wo auf 100 Bewerber 95 Lehrstellen kommen. Dort wie in anderen östlichen Ländern wird dies den bereits heute spürbaren Fachkräftemangel verschärfen, zumal auch die Zahl der Ausbildungsbetriebe schrumpft. Für die Sicherung des Fachkräftebedarfs bleibe eine ausreichend Zahl an dualen Ausbildungsplätzen „zentrales Thema der Berufsausbildungspolitik im Land“.