Berlin - Der Trend der vergangenen Jahre setzt sich unverkennbar fort: Immer mehr Lehrstellen bleiben unbesetzt. Das geht aus dem am Mittwoch im Kabinett verabschiedeten Berufsbildungsbericht 2015 hervor. Im Zeitraum vom 1. Oktober 2013 bis zum 30. September 2014 blieben 37 100 betriebliche Lehrstellen frei – ein Höchststand, wie Bildungsministerin Johanna Wanka erklärte.

Auf 100 Ausbildungswillige kommen 103 Lehrstellen

Weil die Zahl unversorgter Bewerber ein wenig sank, auf 20 900, ergibt sich für Wanka ein „leicht verbesserter Ausbildungsmarkt aus Sicht der Jugendlichen“. Rechnerisch standen 100 ausbildungswilligen Jugendlichen 103 Lehrstellenangebote gegenüber. Dennoch sieht Wanka Handlungsbedarf: „Wir müssen die Wertschätzung der dualen Ausbildung wieder erhöhen. Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Ausbildung muss in den Köpfen ankommen.“

Neueste Zahlen des statistischen Bundesamts bestätigen diese Einschätzung: Demnach ging die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Vorjahr erneut zurück – um 1,4 Prozent auf 522 000. Um der betrieblichen Ausbildung in Deutschland auf die Sprünge zu helfen, stellt die Bundesregierung ein 1,3 Milliarden Euro umfassendes Förderprogramm zur Verfügung. Diese Investition soll die hohe politische Priorität der Bundesregierung bezüglich der dualen Berufsausbildung unterstreichen. Bis 2018 soll mit verschiedenen Programmen, wie „Jobstarter plus“ und „MobiPro“, dafür gesorgt werden, dass junge Menschen strukturiert gefördert werden. „Wir setzen damit auf Prävention statt Reparatur“, sagt Bundesministerin Wanka. Während „MobiPro“ die Ausbildungsinteressierten aus anderen EU-Ländern fördert, unterstützt „Jobstarter plus“ vor allem kleinere und mittlere Betriebe durch gezieltes Ausbildungsmanagement.

Vor diesem Hintergrund räumte Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein, dass es „trotz demografischen Wandels weiterhin Probleme beim Übergang von der Schule in den Beruf“ gebe. So hätten Hauptschüler sowie Jugendliche mit Migrationshintergrund immer noch oft keine Chance auf eine Lehrstelle.

Gezieltes Coaching wird angeboten

Um dem entgegenzuwirken bietet Regierung gezieltes Coaching im Umgang mit solchen Bewerbern an. Außerdem würden jungen Menschen mit den Berufseinstiegsprogrammen unter die Arme gegriffen werden: „Wir wollen sie so schneller, zielgerichtet und dauerhaft in die betriebliche Ausbildung bringen“ sagte Nahles. Bis 2018 sollen damit 500 000 junge Leute erreicht werden. Inwiefern auch Flüchtlinge damit erreicht werden sollen und können, wollen Nahles und Wanka in einem bereits geplanten Gespräch mit Innenminister Thomas de Maizière erörtern.

Weil die Quote der Ausbildungsbetriebe laut neuesten Zahlen bei rund 56 Prozent liegt, appellierten Wanka und Nahles an die Firmen, auch vor dem Hintergrund der absehbaren demografischen Entwicklung nicht in ihren Ausbildungsanstrengungen nachzulassen und auch leistungsschwächere Schüler in den Blick zu nehmen. (mit dpa)