Jedes Jahr flattert die Statusmeldung von der Rentenversicherung ins Haus, doch nicht wenige schieben die Briefe solange beiseite, bis der Ruhestand in sichtbarer Nähe ist. Maximilian Kleyboldt ist stellvertretender Direktor der Bethmann Bank und Vorstandsmitglied im Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB), das private Finanzplaner zertifiziert und als Non-Profit-Organisation auftritt. Er kennt die Situation von Kunden, die auch wenn sie schon die 50 überschritten haben, noch vorsorgen wollen. Hier seine Ratschläge.

Gründliche Bestandsaufnahme: Bevor es in die Aktion geht, empfiehlt Kleyboldt eine gründliche Bestandsaufnahme. „Wichtig ist, die eigene Ausgangssituation richtig festzustellen“, sagt er. Welche Altersvorsorgeansprüche wurden bereits erworben, und wie werden sie sich bis zu Rente entwickeln – nehmen sie zu, nehmen sie ab? Außerdem müssten Einnahmen und Ausgaben angeschaut werden. Wie viel Geld werde monatlich gebraucht, heute, aber auch in Zukunft. „Es gilt, einen Kassensturz zu machen.“ Neben der staatlichen gebe es häufig auch eine betriebliche Rente. Diese müsse ebenfalls einbezogen werden.

Lesen Sie hier: Alles, was Sie über staatlich geförderte Betriebsrenten wissen müssen >>

Sparpotenzial: Kleyboldts Ansage ist eindeutig. „Sparen, sparen, sparen – das hilft.“ Wer für den Ruhestand noch mehr vorsorgen wolle, solle auf einen Urlaub pro Jahr oder auf unnötige Ausgaben verzichten und stattdessen 200 Euro im Monat anlegen. „Damit kann man seine Situation im Alter schon verbessern“, sagt er.

Anlagemöglichkeiten: Ein Aktiensparplan ist für Kleyboldt eine sinnvolle Möglichkeit. Damit ist die regelmäßige Einzahlung in einen ETF-Sparplan gemeint. Diese ETFs (Exchange Traded Funds) bilden die Entwicklung von Aktienindizes ab, wie dem Dax oder dem Weltaktienindex MSCI World. Das Risiko ist bei dieser Investition an den Aktienmarkt geknüpft, doch haben sich ETFs in den letzten Jahren als ähnlich risikoreich wie gemanagte Investmentfonds erwiesen. „Es ist die kostengünstigste Variante“, sagt Kleyboldt. Eine Lebensversicherung abzuschließen sei teurer. Weitere Anlagemöglichkeiten, die geprüft werden sollten, seien die Riester- und die Rürup-Rente. Vor allem, weil beide Modelle attraktive Zusatzleistungen enthalten, wie Kinderzulagen bei Riester.

Ein großes Risiko einzugehen, bei dem in als hoch riskant eingeschätzte Fonds oder Sparmodelle investiert wird, hält Kleyboldt für falsch. „Steht der Zeitpunkt der Rente kurz bevor, sollte das Risiko der Anlage eher gering sein bzw. zum Ruhestandsbeginn abnehmen“, sagt er. Eine Reduzierung der Risiko- und somit Aktienquote wäre die Konsequenz, aber immer im Kontext der sonstigen persönlichen Vermögensverhältnisse und der persönlichen Zielvorstellungen.

Lesen Sie hier: So können Sie schon mit 63 in Rente gehen >>

Finanzplanung bei Eintritt des Ruhestands: Mit dem Alter von 65 oder 67 Jahren werden häufig Ansprüche aus Altersvorsorgeversicherungen fällig. Kleyboldt zählt zwei verschiedene Varianten auf, die Ruheständler gründlich überlegen sollten.

Auszahlung als lebenslange Rente: Wer sich dafür entscheidet, erhält bis zum Ende seines Lebens einen monatlichen Betrag. Diese Entscheidung gewährt maximale Sicherheit. „Wer damit rechnet, lange zu leben, sollte sich dafür entscheiden“, sagt Kleyboldt. Der Nachteil: Entscheidet das Schicksal gegen einen langen Ruhestand, bleibt das Geld im Schoß der Versicherung. „Es gibt in einigen Rentenversicherungen Sicherheitsvorkehrungen, sodass zum Beispiel, das, was noch nicht ausgezahlt wurde, an die Erben ausgeschüttet wird oder es gibt eine Rentengarantiezeit“, sagt Kleyboldt. Bei Versorgungswerken gebe es außerdem Vorkehrungen für Ehepartner. Sie erhielten bis zu 60 Prozent der Rente als Witwen-/Witwerrente.

Der Staat besteuert den Rentenbezug aus privater Altersvorsorge außerdem nur mit dem Ertragsanteil. Bekommt man zum Beispiel als 65-jähriger 1000 Euro als Rente aus der Versicherung ausbezahlt, werden 180 Euro für die Besteuerung zugrunde gelegt. Wird die gesamte Summe ausgezahlt, wird, je nach Abschlussdatum der Versicherung, die Ablaufleistung steuerpflichtig, und es werden bei der späteren Anlage auf Wertsteigerungen und Zinsen 25 Prozent Abgeltungssteuer erhoben.

Auszahlung der vollen Summe bei Eintritt in den Ruhestand: Die zweite Variante ist, sich die angesparte Zusatzrente auf einen Schlag überweisen zu lassen. „Bei der sogenannten Ablaufleistung hat der Ruheständler den Vorteil, dass er zu jeder Zeit auf das Geld zugreifen kann“, sagt Kleyboldt. Daraus kann er oder sie sich zum einen monatlich eine kleine Summe auszahlen. Zum anderen könne man versuchen, den Restbetrag für sich arbeiten zu lassen. „Wenn man denkt, dass man ein gutes Händchen bei der Kapitalanlage hat, kann man sich selbst darum kümmern“, fügt Kleyboldt hinzu. Diese Flexibilität biete einem nur die Auszahlung der vollen Summe.

Ein weiterer Vorteil: Lässt die Gesundheit nach oder eine lebensverkürzende Krankheit tritt auf, ermöglicht eine große Summe auf dem Konto eventuell eine letzte große Reise. Mit einer endfälligen Ablaufleistung könne man auch die Erben besser absichern bzw. Schenkungen vornehmen, weil sich das Geld ja in den Händen des Einzahlers befindet.