Frankfurt am Main - Erneut sind reiche Deutsche in den Verdacht geraten, im großen Stil den Staat um Steuern auf Kapitalerträge betrogen zu haben. Deswegen durchsuchten in einer Razzia 270 Fahnder am Dienstagmorgen die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main und mehrere Niederlassungen. Die Ermittler sind Kunden auf der Spur, die mit Hilfe einer ausländischen Versicherung die deutschen Finanzämter getäuscht haben sollen.

In mehr als 200 Fällen schlossen sie nach den ersten Ermittlungen zum Schein Lebensversicherungen ab, um von deren Steuervorteilen zu profitieren. Tatsächlich dienten die Lebensversicherungen nur als Mantel, um normale, voll steuerpflichtige Geschäfte mit Aktien, Anleihen und Investmentfonds zu verdecken. Dies bestätigte die zuständige Staatsanwaltschaft Bochum der Berliner Zeitung. Angelegt wurde mindestens eine halbe Million Euro. Die Staatsanwaltschaft war auf den Betrug durch einen Hinweis der Finanzverwaltung vor Ort aufmerksam geworden. Die Prüfer waren nach Informationen dieser Zeitung bei einer Steuererklärung auf Unstimmigkeiten gestoßen.

Verdacht gegen einen italienischen Versicherer

Im Visier der Fahnder sind nun Hunderte Großanleger. Wie aus Fahnderkreisen verlautete, richtet sich der Verdacht zudem gegen den italienischen Versicherungskonzern Generali und dessen irische Tochter. Deren Beschäftigte sollen Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet haben. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.

Die Commerzbank bestätigte in einer Erklärung die Durchsuchungen in ihren Räumen. Das Geldinstitut arbeitete bis vor wenigen Jahren mit dem Versicherer zusammen. Die Bank betont aber, dass sich die Ermittlungen nicht gegen sie selbst richteten. Die Commerzbank ist Zeugin in dem Verfahren, wie die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigt.

Der Schaden durch den Betrug für Bund, Länder und Kommunen könnte sich nach ersten Schätzungen auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen. Der neue Steuerskandal trifft auf eine politisch aufgeheizte Atmosphäre. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, den Kampf gegen Steuerbetrug zu verschärfen. Banken, die bei Gesetzesverstößen zulasten der Finanzämter helfen, drohen sie mit Lizenzentzug.

Führende Schweizer Banken erhöhen gerade den Druck auf Anleger mit Schwarzgeld auf ihren Konten. Auch die eidgenössischen Institute fürchten einen massiven Schaden für ihre Geschäfte. So haben die Vereinigten Staaten angekündigt, alle Banken vom US-Markt auszuschließen, die amerikanischen Bürgern beim Steuerbetrug unterstützen.