Im ersten Halbjahr meldeten bundesweit 9006 Unternehmen Insolvenz an.
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BerlinDie Galgenfrist wird nun also noch einmal verlängert. Die sogenannte Insolvenzantragspflicht, die wegen der Corona-Pandemie im März bis Ende September aufgehoben wurde, bleibt bis zum Jahresende außer Kraft. Ein Unternehmen, das überschuldet ist, muss also nicht zwingend Insolvenz anmelden, wie es eigentlich das Gesetz verlangt. Allerdings gilt die Verlängerung tatsächlich nur noch für Firmen, die den Tatbestand der insolvenzrechtlichen Überschuldung erfüllen und zugleich eine Aussicht auf Gesundung haben. Ist ein Unternehmen zahlungsunfähig, ob durch Corona oder nicht, muss ab Oktober zum Insolvenzgericht. Sehr wahrscheinlich wird das viele Firmen betreffen.

Tatsächlich ist die Sanierung eines zahlungsunfähigen Unternehmens in der Regel aussichtslos. Die Bankkonten sind leer, die Maschinen verkauft. Ist das Brennholz verheizt, ist der Ofen nun mal aus, sagen Unternehmer. In überschuldeten Firmen ist zwar ebenfalls die Last groß, doch sind Schulden meist mit Werten gedeckt. Steckt auch noch Potenzial in dem Unternehmen, ist eine Zukunft möglich. Diese soll mit dem Aussetzen der Insolvenzantragspflicht nicht verbaut werden.

Insofern machen die strengeren Kriterien dafür Sinn. Mögen Insolvenzverwalter nicht selten als die Leichenfledderer der Wirtschaft angesehen werden, während sie sich selbst als Notärzte in Krisensituationen verstehen, so ist das Insolvenzrecht in jedem Fall ein Korrektiv im ökonomischen Geflecht der Gesellschaft. Wer zahlungsunfähig ist, muss bekannt sein, damit sich andere Unternehmen darauf verlassen können, dass ihre Rechnungen bezahlt werden. Wenn nicht, werden auch gesunde Firmen in Existenznot gebracht. Es geht um bewusste Ansteckung, die ab Oktober wieder als Insolvenzverschleppung gilt und strafbar ist. Gut so.  Ansteckungsrisiken gibt es schon genug.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle:  Kreditversicherer Euler Hermes , dpa