Nicloley Baublies, Chef Flugbegleitergewerkschaft Ufo, spricht von einem Affront. Der Beschluss des Lufthansa-Managements, eine neue Billigtochter für Direktflüge zu gründen, sei eine Provokation. „Das gießt einfach Öl ins Feuer“, kritisiert Baublies.

Kurz vor Beginn der Schlichtungsgespräche habe Lufthansa schnell mal Pflöcke eingeschlagen – und das ausgerechnet beim sensibelsten Thema des festgefahrenen Tarifkonflikts, moniert Baublies. Die 18.000 Stewardessen und Stewards des Konzerns seien verunsichert, hätten Angst vor Kündigung und Zwangsversetzung. „In unseren Foren ist die Hölle los“, sagte Baublies.

Am Mittwoch hatte Lufthansa verkündet, vom kommenden Jahr an mit einem neuen Billigableger an den Start zu gehen. Basis der neuen Linie ist die Lufthansa-Tochter Germanwings. Die neue Gesellschaft soll aber auch alle direkten Verbindungen in Deutschland und Europa abwickeln. Die in Köln sitzende Gesellschaft wird 90 Flugzeuge betreiben und im ersten Jahr mehr als 18 Millionen Passagiere befördern.

Sparen beim Personal

Mit dem neuen Modell will Deutschlands größte Airline vor allem beim Personal sparen. Ziel sei es, die Direktflüge unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen. Einer der größten Kostenposten sind die Flugbegleiter. Rund 2000 Stewardessen und Stewards sollen mit der neuen Gesellschaft fliegen. 800 davon kommen von Germanwings; sie verdienen deutlich weniger als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. Um die Crew komplett zu machen, sollen 1200 Flugbegleiter der Lufthansa bei der neuen Tochter anheuern.

Das Management versichert: Niemandem werde etwas weggenommen, keiner müsse gegen seinen Willen zur neuen Gesellschaft wechseln. Die Mitarbeiter in diesem neuen Bereich hätten „die Perspektive auf sichere Arbeitsplätze in einem Unternehmen der Lufthansa-Gruppe“, sagte Konzern-Chef Christoph Franz.

Ufo dagegen befürchtet, dass die Lufthanseaten in der Billigtochter bis zu 40 Prozent weniger verdienen werden. Die Gewerkschaft sei nicht bereit, eine Ausgründung und einen Billigtarif für Flugbegleiter innerhalb der Gruppe zu akzeptieren, sagte Baublies. Würde sie es zulassen, sei das Einfallstor bei kommenden Tarifverhandlungen mehr als ein Spalt geöffnet. Wenn es die Billigairline erst gebe, sei schwer zu verhindern, dass die Konditionen in der nächsten Runde auch für die Mittel- und Langstrecke gelten sollen.

Anfang des Monats hatten die Flugbegleiter mit ihrem ersten echten Streik den Luftverkehr in Deutschland lahmgelegt. Damit kämpften sie für mehr Geld und gegen das Schaffen prekärer Jobs. Zwar hatte Lufthansa einseitig den Verzicht auf Leiharbeit erklärt und damit den Weg für eine Schlichtung des seit mehr als einem Jahr schwelenden Streits geebnet. Am Donnerstag kommender Woche wollen sich die Parteien mit Schlichter Bert Rürup erstmals treffen. „Wir müssen den Groll runterschlucken“, sagte Baublies. Es gehe nun darum, eine Lösung zu finden. Sollte die aber nicht zustande kommen, sei Streik weiterhin eine Option.

Piloten sollen länger fliegen

Die Flugzeugführer hingegen sehen die Sache derzeit eher gelassen. „Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine absehbare Eskalation“, sagte Jörg Handwerg, Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. In der zurückliegenden Tarifrunde hätten sich beide Parteien auf Kosteneinsparungen für Kapitäne und Co-Piloten im dezentralen Verkehr von 20 Prozent geeinigt. Für Handwerg ist klar, dass diese Vereinbarungen auch für die neue Gesellschaft gelten werden. Nicht geklärt sei allerdings, ob auch Piloten von der Lufthansa-Passage zur neuen Tochter wechseln sollen. Da könnte dann doch einiges zu besprechen sein. Denn bei Germanwings werden beispielsweise geringere Zuschläge für Mehrarbeit gezahlt.

Insider gehen davon aus, dass es im nächsten Jahr dennoch brisant werden könnte. Manteltarifverhandlungen über Arbeitszeiten stehen an. Derzeit laufen schon Gespräche über neue Entgelte. Aktuell geht es nur um die Lufthansa-Passage. Es kursiert die Vermutung, dass das Management durchsetzen will, dass in der neuen Gesellschaft weniger gezahlt und länger gearbeitet werden muss. Die Pilotengewerkschaft lehnt dies kategorisch ab.