Per Mitfahrgelegenheit fahren, ist günstig. Der Nachteil ist, dass niemand weiß, auf wen er trifft. Das kann auf einer längeren Strecke wie etwa Berlin-München, die normalerweise mindestens sechs Stunden Fahrzeit kostet, ziemlich lästige Folgen für alle Beteiligten haben: Ungünstig ist es zum Beispiel, wenn der Fahrer ohne Ende quatschen will, die Mitfahrer aber nur ihre Ruhe haben wollen. Eine solche Fahrt kann zu einer Tortur werden.

Fahrer ohne Redebedarf gesucht

Mit dem französischen Unternehmen BlaBlaCar ist vor einigen Jahren ein neuer Anbieter aufgetaucht, der dieses Problem gelöst hat: Der Fahrer gibt auf der Suche nach Mitfahrern an, ob er viel, wenig oder gar keinen Redebedarf hat. Dann ist der Mitfahrer gleich im Bilde. Ein weiterer Vorteil von BlablaCar: Die Vermittlung ist sowohl für Fahrer als auch für Mitfahrer kostenlos. Kein Wunder deshalb, dass BlablaCar dem Platzhirsch Carpooling, der die Webseiten mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de betreibt, schnell viele Kunden abspenstig machen konnte.

Nun sichert sich BlaBlaCar auch noch alle restlichen Kunden von Carpooling: Denn BlaBlaCar übernimmt den Konkurrenten, zu dessen Besitzern bislang der Autokonzern Daimler und der Internet-Finanzierer Earlybird gehörten. Damit vereint das Unternehmen künftig mehr als 90 Prozent des Mitfahr-Geschäfts auf sich.

Insgesamt allerdings machen Mitfahrgelegenheiten nur einen kleinen Bruchteil des Fernreisegeschäfts aus, das von der Bahn, dem Flugzeug und neuerdings auch von den Fernbussen dominiert wird.

Doch das will BlaBlaCar-Mitgründer Nicolas Brusson ändern. Er hat große Pläne: „Wir wollen als wichtigste Alternative zu Bus und Bahn wahrgenommen werden“, sagt er. „Wenn ich mir heute in Deutschland BlaBlaCar und Carpooling zusammen anschaue, sind wir vielleicht bei einem Zehntel der Dimension, die wir erreichen wollen.“

Alternative, wenn Fernbus-Preise steigen

Langfristig will sich das Unternehmen als wichtigste Alternative zu Bus und Bahn etablieren. Einen Vorteil für sein Geschäft sieht Brusson in dem günstigen Preis, der auf Dauer auch unter denen der Fernbusse liegen könne. Diese locken gerade mit Tiefpreisangeboten. Doch Experten erwarten, dass die Fernbus-Preise in den kommenden Jahren deutlich steigen werden. Zudem biete BlaBlaCar den Mehrwert einer sozialen wie nachhaltige Form des Reisens, argumentiert Brusso.

Bei den Mitfahrangeboten ist die Vergütung der Fahrer – zumindest offiziell – auf die Betriebskosten beschränkt. Bei BlaBlaCar liegt der Richtwert bei etwa fünf Euro pro 100 Kilometer. Doch faktisch verlangen die Fahrer oft mehr.

Zunächst will BlaBlaCar auf den Webseiten mitfahrgelegenheit.de und mitfahrzentrale.de nichts verändern. Das heißt: Dort wird weiter eine Gebühr fällig. Bei BlaBlaCar selbst bleiben Fahrten kostenlos. Und das soll möglichst auch so bleiben. Allerdings erzielt das Unternehmen keine Werbeeinnahmen. Denkbar ist also, dass blablacar.de das Aushängeschild des Konzerns bleibt – das Geld aber künftig mit den nun zugekauften Angeboten verdient wird.