Köln - In der Finanzwelt gilt der Schwarze Freitag allgemein als Unglückstag, für Verbraucher in den USA ist es hingegen der Schnäppchentag schlechthin: Der „Black Friday“ ist der erste Tag nach dem Thanksgiving-Fest – ein Brückentag, den die meisten Amerikaner auch wegen flächendeckender Rabattaktionen für erste Weihnachtseinkäufe nutzen und der der Branche Milliardenumsätze beschert.

„Black Friday“ auch in Deutschland immer populärer

Auch in Deutschland wird der „Black Friday“ immer populärer, manche Händler dehnen das Ereignis sogar zur „Black Week“ aus. Im Vorlauf startete Amazon Anfang der Woche bereits die Cyber-Monday-Woche. Jeden Tag neue Deals, so das Versprechen.

Auf mehr als fünf Millionen Kunden hoffen die Händler beim deutschen „Black Friday“ Ende dieser Woche und versprechen zum Teil Rabatte von 90 Prozent. Mehr als 1,1 Milliarden Euro Umsatz erwartet die Branche – das wäre ein Wachstum von fast einem Fünftel im Vergleich zum Vorjahr. Doch Verbraucherschützer warnen: Nicht alles, was so aussieht, ist auch ein Schnäppchen.

Nach Angaben des Einzelhandelsverbands HDE haben im vergangenen Jahr knapp sechs Prozent der Online-Händler zu diesem Tag Reduzierungen über das gesamte Sortiment hinweg vorgenommen. Zunehmend machen auch Läden in den Innenstädten mit bei der Aktion.

Verbraucherschützer warnen vor Blendwerk bei Rabattaktionen

Verbraucherschützer warnen vor zu viel Euphorie: „Viele Händler werben zwar mit hohen Rabatten“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale NRW. „Da ist jedoch auch viel Blendwerk dabei“. Im vergangenen Jahr hätten Stichproben ergeben, dass etwa bei Amazon statt 50 Prozent Rabatt meist weniger als 20 Prozent gegenüber dem Normalpreis gewährt wurden.

Mitunter finde man dasselbe Produkt in einem anderen Shop ganz regulär billiger. Die künstliche Verknappung sowie enge Zeitfenster für die Bestellung sollen Kunden unter Druck setzen und zu Spontankäufen animieren. „Die wichtigste Regel ist: Sich nicht unter Druck setzen lassen“, so Tryba.

Gerade im Internet gelte: „Schnäppchenzeit ist immer“, der Prozente-Rummel ende nicht am „Black Friday“. Die Stiftung Warentest warnt zudem vor betrügerischen Angeboten auf dem Händlerportal von Amazon. Mit vermeintlich günstigen Scheinangeboten würden Kunden auf Amazon Marketplace „angelockt und abgezockt“.

Kunden sollten sich von Händlern nicht zu Bestellungen per E-Mail verleiten zu lassen, sondern nur über die Amazon-Kasse bezahlen, rät auch die Verbraucherzentrale NRW. Was sollten Schnäppchenjäger sonst noch beachten? Ein kleiner Überblick:

Planung vor dem eigentlichen Kauf lohnt sich

Gut: Vieles, was man kauft, braucht man nicht unbedingt. Man hätte es aber gerne. Um sich nicht allein von Rabatten blenden zu lassen, sollte man sich vor dem Einkauf eine kleine Liste mit Produkten machen, nach denen man gezielt suchen möchte, empfehlen Verbraucherschützer. Auch sollte man überlegen, ob das Produkt den eigenen Qualitätsansprüchen genügt.

Rabatte werden meist auf die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers gegeben. Am Markt ist möglicherweise aber längst ein niedrigerer Preis üblich, so Tryba. Deshalb: Vor dem Kauf mindestens zwei Preissuchmaschinen nutzen wie etwa Idealo oder Geizhals. Wichtig sei es auch, auf den Gesamtpreis zu achten – inklusive Versand. Einige Händler verlangen bei einem Widerruf die Erstattung des Rückportos.

Verbraucher sollten bei wochenlangen Lieferfristen skeptisch werden. „Vielleicht kann ja der Händler am Ende gar nicht liefern“, so Tryba. Besser sei es, auf überschaubare Lieferfristen von maximal einer Woche zu achten.

Bei Waren aus dem außereuropäischen Ausland wie etwa aus China können hohe Zollkosten hinzukommen. Hat das Produkt Mängel und muss zurückgeschickt werden, kann das Porto für den Versand nach China den Warenwert übersteigen.

Wer macht mit?

Ein Viertel der Online-Händler in Deutschland wollen beim „Black Friday Sale“ am 25. November mitmachen. Zunehmend werben auch Läden in Innenstädten mit dem „Black Friday“ oder mit einer Black Week.

Darunter sind etwa die Elektronikhändler Saturn sowie Media Markt (dort heißt der Tag Red Friday), aber auch Warenhäuser wie etwa Karstadt und Kaufhof. Viele Textilketten sind auch mit von der Partie. Selbst Autovermieter und Airlines versprechen am „Black Friday“ Sonderangebote.

Bei Amazon ist seit Anfang der Woche „Cyber Monday Woche“. Prime-Kunden mit 49-Euro-Jahres-Mitgliedschaft dürfen sogar eine halbe Stunde vor anderen Käufern bei Schnäppchen zugreifen.

1,1 Milliarden Umsatz

Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland bei E-Commerce-Umsätzen am Black Friday-Wochenende mit 1,1 Milliarden Euro auf dem dritten Platz hinter Großbritannien (3,2) und Spitzenreiter USA (7,6). Das haben Erhebungen des digitalen Marktplatzes Retailmenot ergeben.

Zwei Drittel der Deutschen (66 Prozent) haben schon mal vom „Black Friday“ und „Cyber Monday“ gehört. Im vergangenen Jahr waren es weniger als die Hälfte der Verbraucher in Deutschland. Mit einem Anteil von 81 Prozent liegt die Bekanntheit bei Verbrauchern unter 30 in Deutschland am höchsten.

Jeder Siebte hat sich an den Tagen schon einmal Schnäppchen gesichert.