Wer heutzutage ein Auto fahren will, muss nicht mehr unbedingt eines besitzen. Für den gelegentlichen Bedarf tut es auch das Carsharing oder die Miete, und auch für eine längerfristige Nutzung gibt es einen neuen Trend: das Autoabo. Es ähnelt dem klassischen Leasing, doch versprechen Aboanbieter gleich ein Komplettpaket inklusive Zulassung, Versicherungen, Steuern und Reifen bei gleichzeitig flexibler Laufzeit. Einzig der Sprit oder der Strom bei Elektroautos sind exklusive. Rechnet sich das?

Besonders für eine bestimmte Nutzergruppe könne das passen, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (Car) der Universität Duisburg-Essen. Und das liegt am Komplettpreis, der für alle Kunden gleich ist.

"Für Fahranfänger ist die Versicherung normalerweise sehr teuer. Beim Abomodell zahlen alle das Gleiche, das Risiko wird auf alle Kunden verteilt, und die Versicherung ist somit für Fahranfänger tendenziell günstiger", sagt Dudenhöffer. Außerdem ließen sich Kosten besser kalkulieren, eine hohe Anfangsfinanzierung, die gerade junge Fahranfänger schwieriger aufbringen können, ist nicht notwendig.

Etablierte Firmen wie auch Start-ups bieten Autos zum Abopreis an

Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe Anbieter von Autoabos. Darunter sind etablierte Firmen wie Sixt oder Volvo, aber auch spezialisierte Start-ups wie Cluno aus München. Seit 2017 bieten sie über ihre Website Autos im Abo an. Für 259 Euro im Monat können Kunden einen Opel Corsa abonnieren oder für knapp 400 Euro im Monat einen Toyota Auris Hybrid. "Die Produkte, die die Autoindustrie derzeit anbietet, sind nicht mehr zeitgemäß", sagt Mitgründer Nico Poletti. "Wir wollen, dass sich niemand im Vorfeld festlegen muss, ob er ein Auto zwei, drei oder fünf Jahre braucht." Die Mindestlaufzeit von Abos kann je nach Anbieter einige Wochen bis zu einem halben Jahr betragen. Die Kündigungsfrist von Cluno liegt bei drei Monaten. Danach nimmt der Anbieter das Auto ohne Aufwand wieder zurück.

Das Autoabo ist flexibel in der Laufzeit, aber nicht bei den Zusatzleistungen

Das Autoabo ist somit flexibel in der Laufzeit. In der Wahl der Zusatzleistungen hingegen nicht. Während sich die Einheitsversicherung für Fahranfänger rechnen kann, ist sie für Fahrer mit einer hohen Schadenfreiheitsklasse entsprechend teurer. "Routinierte Fahrer können den eigenen, gegebenenfalls günstigeren Vertrag nicht mitnehmen, bei uns ist jeder Kunde gleich", sagt Poletti. Man wolle das Produkt möglichst einfach halten.

"An dieser Stelle kann Leasing eine Alternative sein", sagt Dudenhöffer. Leasing unterscheidet sich nicht groß vom Abo, auch hier gibt es mittlerweile Komplettpakete inklusive Versicherung. Aber: Während die Mindestlaufzeit mit zwölf oder 24 Monaten länger ist, sind die Zusatzangebote zumeist frei wählbar. "Wer eine gute Versicherungseinstufung hat und eine günstige Werkstatt ums Eck, also nicht die Reparaturpauschale beim Abo zahlen will, für denjenigen kann Leasing günstiger sein", sagt Dudenhöffer.

Auch in der Leasingbranche haben sich Start-ups etabliert, die klassischen Autohändlern Konkurrenz machen. Vehiculum, ein Berliner Start-up, bietet beispielsweise Leasingverträge allein über das Internet an und spart sich damit Vertriebskosten. Ein Citroën C1 Airscape wird auf der Website ab 84 Euro monatlich angeboten - allerdings ohne Versicherung, Steuern und andere Zusatzleistungen. "Bei uns ist eine Versicherung nicht verpflichtend, wer will, bekommt aber auch bei uns das Rundum-sorglos-Paket", sagt Vehiculum-Gründer Lukas Steinhilber.

Nur geringe Unterschiede beim Abo- oder Leasingvertrag

Was die Rückgabe des Wagens angeht, gibt es bei Abo und Leasing keine großen Unterschiede. Gebrauchsspuren wie Parkdellen, Steinschläge und leichte Abnutzungserscheinungen sind inklusive, Reparaturen müssen in der Regel mit einer Selbstbeteiligung abgegolten werden.

Was Abos und Onlineleasingverträge ebenso gemeinsam haben: Der Gang zum Autohaus um die Ecke fällt weg und damit ein weiterer Kostenpunkt. Laut Car-Institut macht der Vertrieb beim Händler vor Ort allein 10 Prozent der Verkaufssumme eines Neuwagens aus. Im Internethandel könnte die Quote auf bis zu 2 Prozent gesenkt werden. Auch Ausstellungsflächen und Vorführwagen müssen nicht vorgehalten werden. "Autoabos werden in den nächsten 15 bis 20 Jahren Händler überflüssig machen", glaubt Dudenhöffer.

Auffällige Zahlungsbereitschaft für Autoabos im Hochpreissegment

Nicht ganz so definitiv liest es sich in einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman von Anfang 2019, aber auch hier erkennt man Potenziale. 26 Prozent von 500 Befragten in Deutschland äußerten grundsätzlich Interesse an einer solchen flexiblen Autonutzung. "Aber der Markt steckt noch in den Kinderschuhen", sagt Joachim Deinlein, Partner bei Oliver Wyman. Eine auffällige Zahlungsbereitschaft ließe sich außerdem im Hochpreissegment erkennen. So gaben 31 Prozent der Befragten an, eine Monatsrate von über 1000 Euro sei akzeptabel.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Poletti von Cluno gemacht. Zwar spricht er nicht von Hochpreissegment - aber davon, dass die anfängliche Erwartung, dass es sich bei der größten Nutzergruppe um junge Leute der Millennial-Generation handeln würde, nicht bestätigt habe. Das Durchschnittsalter der Kunden liege bei 42 Jahren, es handelt sich also um eine Kundengruppe, die unter Umständen auch einmal mehr zahlt.