München - Der Münchner Premiumhersteller BMW überrascht positiv und bleibt von den düsteren Wolken über vielen Automobilmärkten weitgehend unbeeindruckt. Dieses Jahr sind die Bremsspuren weit geringer als bei der Konkurrenz und 2013 glauben die Bayern ohne milliardenschweres Sparprogramm wie beim Erzrivalen Daimler auskommen zu können. Letzteres geht auf eine Betriebsvereinbarung zurück, die gerade erst mit Betriebsräten und Gewerkschaft geschlossen wurde. Falls die Automobilkonjunktur verstärkt einbricht, können Schichtlängen reduziert, Arbeitszeitkonten abgebaut oder Leiharbeiter abgebaut werden, betonte BMW-Chef Norbert Reithofer.

„Wir brauchen kein außerordentliches Sparprogramm“, stellte Finanzchef Friedrich Eichiner klar. Er rechnet derzeit auch damit, dass BMW 2013 im Automobilgeschäft eine operative Rendite zwischen acht und zehn Prozent schafft. Das ist der derzeit geltende Zielkorridor. 2012 werde man wohl am oberen Ende dessen abschließen, nachdem diese wichtige Kenngröße im dritten Quartal noch 9,6 Prozent waren. Nach neun Monaten des Jahres liegt BMW bei 10,9 Prozent Rendite und damit leicht hinter Audi mit 11,2 Prozent aber deutlich vor Daimler mit 7,8 Prozent.

Bis zu 20 Prozent Rabatt

Auch BMW kann sich aber der derzeit vor allem auf den europäischen Krisenmärkten Spanien und Italien tobenden Rabattschlacht nicht entziehen, räumten Reithofer und Eichiner ein. Zumindest vereinzelt geben die Bayern aber auch hier zu Lande Rabatte von über 20 Prozent, sagen Marktbeobachter. Die beiden Manager wollten das nicht weiter kommentieren. „Zu Premiumfahrzeugen passen auf Dauer keine hohen Rabatte“, meinte Eichiner lediglich. Im Abschlussquartal rechnet er mit verschärftem Preisdruck.

Zugleich müsse BMW auch anhaltend hohe Investitionen vor allem in die Elektromobilität schultern, betonte Reithofer. Ende 2013 ist Marktstart für das BMW-Elektroauto i3, das in Leipzig vom Band läuft und der Auftakt für eine ganze i-Reihe sein soll. Die anfängliche Elektroeurophorie ist zwar zuletzt allgemein stark abgeklungen. Ohne diese Technologie könne aber speziell ein Premiumhersteller wie BMW die verschärften Abgasvorschriften nicht erfüllen. „Dann dürften wir nur noch Minis und 1er BMW verkaufen“, stellte Reithofer klar. Deshalb investieren die Münchner weiter in Technik oder neue Werke wie das in Brasilien geplante.

Rund 1,3 Millionen Autos verkauft

Diese Strategie soll 2012 neue Rekorde bei Absatz, Umsatz und Gewinn bringen, versicherte das Management. Bis Ende September hat BMW gut 1,3 Millionen Autos der drei Marken BMW, Mini und Rolls-Royce verkauft, ein Plus von gut acht Prozent im Vorjahresvergleich. Mit gut 1,1 Millionen Verkäufen liegt die Hauptmarke BMW weiter, wenn auch nur hauchdünn vor Audi mit knapp 1,1 Millionen Verkäufen, wiederum dicht gefolgt von Mercedes.

Den Umsatz haben die Bayern nach neun Monaten um knapp zwölf Prozent auf über 56 Milliarden Euro gehievt. Von dieser Entwicklung profitiert weiter auch das Personal. Die Zahl der Stammkräfte ist weltweit und bis Ende September um rund 4300 auf 104.668 Beschäftigte gestiegen. Für 2013 sind weitere rund 3000 Festanstellungen geplant, wobei vor allem Leiharbeiter übernommen werden. Deren Zahl von zuletzt BMW-weit 11.000 wird dagegen deutlich sinken.