Der Dreamliner.
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North Charleston  - Der angeschlagene US-Luftfahrtriese Boeing will die aufgrund der Corona-Krise gestoppte Produktion seines Langstreckenjets 787 «Dreamliner» wieder aufnehmen. Der Betrieb in den Werken im Bundesstaat South Carolina werde am kommenden Wochenende wieder gestartet, teilte der Konzern am Montag (Ortszeit) in North Charleston mit. Boeing hatte die Fertigung am 8. April wegen der Pandemie vorübergehend ausgesetzt. Inzwischen seien verschiedene Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt worden, teilte das Unternehmen mit.

Bei Anlegern kam die Ankündigung laut dpa gut an, die Aktie drehte nachbörslich ins Plus. In der vergangenen Woche hatte Boeing bereits damit begonnen, die Produktion in seinen Fabriken in der Region Puget Sound nahe Seattle im Bundesstaat Washington schrittweise wieder hochzufahren. Wegen eines seit Januar geltenden Fertigungsstopps bei dem Modell 737 Max, das nach zwei Flugzeugabstürzen weltweit mit Startverboten belegt ist, wird die Produktion des Airbus-Erzrivalen insgesamt zunächst jedoch stark eingeschränkt bleiben.

Boeing geht davon aus, dass die internationale Luftfahrtindustrie sich nur sehr langsam von der Corona-Krise erholen wird. "Wir erwarten, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, bis das Reiseaufkommen wieder das Niveau von 2019 erreicht", warnte Boeing-Chef Dave Calhoun die Aktionäre am Montag bei der jährlichen Hauptversammlung des Konzerns. Wegen der Pandemie konnte die Veranstaltung diesmal nur im Internet stattfinden.

Bis die Luftfahrtbranche wieder zu ihrem langfristigen Wachstumstrend zurückfinde, dürfe es einige weitere Jahre erfordern, sagte Calhoun. Die Krise sei "anders als alles, was wir jemals erlebt haben" und es sei "schwer einzuschätzen, wann sich die Situation stabilisieren wird". Zu Maßnahmen wie Produktionskürzungen und Stellenabbau, mit denen Boeing auf die Krise reagieren könnte, äußerte sich der Boeing-Chef zwei Tage vor dem Quartalsbericht nicht konkret.

Auch zum Zeitplan der angestrebten Wiederzulassung von Boeings nach zwei verheerenden Flugzeugabstürzen mit Startverboten belegten Krisenjets 737 Max hielt sich der Boeing-Chef zunächst bedeckt. Zu der am Samstag abgeblasenen Übernahme der Verkehrsflugzeugsparte des Rivalen Embraer sagte Calhoun, dass ein Punkt erreicht worden sei, ab dem "Verhandlungen nicht länger hilfreich" gewesen seien. Embraer will Schadenersatz und hat ein Schiedsverfahren eingeleitet

Die in der Krise steckende norwegische Billigfluglinie Norwegian rechnet nicht mit einer Rückkehr zum Normalbetrieb vor 2022. Man plane deshalb mit einer "Winterschlaf-Phase" sowie einer anschließenden "Erholungsphase", erklärte die Airline am Montag in einer Mitteilung an die Osloer Börse, Gläubiger und Investoren. Darin beschrieb die Billigfluggesellschaft, wie sie trotz des Stillstands des internationalen Flugverkehrs in der Corona-Krise geschäftstüchtig bleiben will.

Demnach will Norwegian vor allem in der Nebensaison Geld sparen und sich in der Hauptsaison 2021 finanziell erholen, ehe im Folgejahr wieder normaler Betrieb herrschen soll. Bis zu 85 Prozent der Schulden sollen in Eigenkapital umgewandelt werden. Gemäß dem Plan wollen die Norweger zudem Aktien im Wert von 400 Millionen Kronen (35 Millionen Euro) ausgeben, um neues Kapital zu bekommen.

Der Großteil der Norwegian-Flugzeuge bleibt seit Wochen im Zuge der Corona-Pandemie am Boden, rund 7650 Mitarbeiter wurden vorübergehend beurlaubt. Die Fluggesellschaft will sich in ein Milliarden Kronen schweres Kreditpaket der norwegischen Regierung retten, mit dem die Probleme für Airlines aufgefangen werden sollen. Eine der Vorgaben des Staates dafür ist, dass sich die Fluglinie neues Kapital besorgt. Ob die geplante Umschuldung klappt, ist ungewiss. Vier Tochtergesellschaften von Norwegian in Dänemark und Schweden, bei denen die Piloten und das Kabinenpersonal beschäftigt sind, haben bereits Insolvenz angemeldet.