Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank.
Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

BerlinNach dem pandemischen Ausbruch des Coronavirus drohen der Weltwirtschaft schwere Verwerfungen. Seit der Finanzkrise 2008 betätigen sich die Zentralbanken als Dauerretter, allen voran die Europäische Zentralbank (EZB).

Christine Lagarde hat das Erbe des Italieners Mario Draghi angetreten. Seine Mission war die Rettung des unter Druck geratenen Euro. Er werde „alles tun, was auch immer nötig ist“, um seinem Auftrag gerecht zu werden, hatte Mario Draghi am Höhepunkt der Eurokrise verkündet. Draghi lieferte. Der Crash blieb aus – vorerst.

Lagarde kennt das Dilemma

Am Donnerstag sagte nun Lagarde, dass sie die Draghi-Kampfansage nicht wiederholen wolle. Sie verkündete trotzdem ein neues Programm für Anleihekäufe. Bis zum Jahresende will die EZB Papiere von Staaten und Unternehmen im Wert von 120 Milliarden Euro aufkaufen – zusätzlich zu den 20 Milliarden Euro, mit der die EZB schon jetzt die Kurse stützt.

Außerdem sollen die Banken in die Lage versetzt werden, leichter Kredite an von der Krise besonders betroffene Firmen zu vergeben. Lagarde kennt das Dilemma, in dem sie sich befindet, schon von ihrem vorherigen Job: Als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) war sie gemeinsam mit Draghi für die Rettung des Euro in Griechenland zuständig. Doch Lagarde sah bald, dass die von den Spekulationen der großen europäischen Banken ausgelöste Griechenland-Krise unlösbar ist. Der IWF zog sich zurück. Die Banken wurden gerettet. Die Griechen spüren bis heute die Folgen. Die EZB trägt bis heute das Risiko.

Börsen reagierten negativ

Lagarde, die als französische Finanzministerin wegen Fahrlässigkeit im Umgang mit Steuergeldern schuldig gesprochen wurde, kann eine neue internationale Finanzkrise nicht verhindern. Das billige Geld der EZB hat eine Aktien-Blase geschaffen. Die Börsen reagierten negativ auf Lagarde. Sie stürzten ab. Auch die von Lagarde angekündigten Kredit-Erleichterungen sind reine Rhetorik.

Die Banken sind wegen der seit der Finanzkrise verschärften Regeln kaum noch in der Lage, kleinen oder mittleren Unternehmen Liquidität zur Verfügung zu stellen. In ihrer IWF-Zeit war Lagarde berühmt geworden, weil der Fonds die Idee einer allgemeinen Vermögensabgabe zum Abbau der weltweiten Schulden lanciert hatte.

Die Abgabe kam in Form der Negativzinsen, die heute auch jeden kleinen Sparer treffen. Zur Krisenverhinderung taugt die Umverteilung allerdings nicht. Daher richtet Lagarde ihren Blick auf den Steuerzahler: Die Staaten müssten gegen Corona ankämpfen – mit allem, was auch immer nötig ist.