Der Handelssaal der Börse in Frankfurt am Main
Foto: dpa/Boris Roessler

Frankfurt am MainZu den drastischen Maßnahmen der Corona-Krise gehört eine weitgehende Stilllegung des wirtschaftlichen Lebens in zahlreichen Staaten. Ansammlungen von über zwei Personen sind in Deutschland untersagt. Selbst Gottesdienste in Kirchen, Synagogen und Moscheen sind verboten. 

Nicht betroffen von den rigorosen Einschränkungen sind dagegen die Börsen: Anders als nach den Anschlägen vom 11. September 2001, wo die New York Stock Exchange fast eine Woche lang geschlossen blieb, ist der Handel auch nach der Ausrufung der Corona-Pandemie durch die WHO noch überall aufrecht. Das muss allerdings nicht so bleiben: In Indien, wo die Corona-Krise erst an ihrem Beginn steht, wird bereits darüber spekuliert, ob der Bombay Stock Exchange möglicherweise für zehn Tage Pause machen muss.

Erst freier Fall, dann Beruhigung der Börsen

Für viele Banken ist das massive Handelsvolumen ein kleiner Trost angesichts der düsteren makroökonomischen Erwartungen. Ein Daten-Spezialist für Investment-Banking sagte der Financial Times, die zwölf größten globalen Banken hätten im ersten Quartal Zugewinne der Umsätze beim Handel von „mindestens 20 bis 30 Prozent“. Der massive Handel hatte bereits im Februar eingesetzt, als die ersten Anzeichen der Corona-Krise aus China auch an den Aktienmärkten wahrgenommen wurden.

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Im Zuge des massiven Abverkaufs nach den ersten gravierenden politischen Entscheidungen, die Teile der Welt zum ökonomischen Stillstand brachten, stürzten die Börsen in historischen Sprüngen ab. Allerdings ging es zwischenzeitlich wieder stark nach oben, wie etwa am Dienstag: Der Dax und der Dow Jones gewannen in einem Tag jeweils knapp zehn Prozent. Am Mittwoch hielt sich der Trend nicht mehr, obwohl sich die US-Parteien auf ein Rettungspaket geeinigt hatten: Zwei Billionen Dollar sollen in die Märkte gepumpt werden. Die Ankündigung der neuen Geldschwemme hat den Börsenwert aller an der Wall Street notierten Unternehmen um drei Milliarden Dollar angehoben.

Volatile Zeiten mit rasch wechselnden globalen Nachrichten sind auch gute Zeiten für Spekulanten. Während die Börsenaufseher in der Finanzkrise von den massiven Leerverkäufen (sogenannte „short seller“) überrascht wurden, gelten seit einigen Jahren strengere Regeln für diese Art von Wetten auf fallende Kurse: Im Nachgang zur Finanzkrise sind ungedeckte Leerverkäufe für alle Aktien komplett untersagt worden. Zudem wurde eine Meldepflicht (ab 0,2 bzw. seit Montag 0,1 Prozent) und eine Veröffentlichungspflicht (ab 0,5 Prozent) eingeführt.

Seit der Finanzkrise sind nur noch sogenannte gedeckte Leerverkäufe möglich. Als es im Zuge der Corona-Krise zu massiven Einbrüchen kam und einzelne Börsen wie etwa die Börse Wien Spekulationsattacken ausmachten, verboten sie Ende März auch die ungedeckten Leerverkäufe. Neben der österreichischen Aufsichtsbehörde haben unter anderem auch die italienische, französische, belgische und spanische Aufsichtsbehörde entsprechende nationale Maßnahmen ergriffen.

Aufsichtsbehörde Bafin sieht keinen Handlungsbedarf

Die deutsche Börsenaufsicht Bafin sieht dagegen noch keinen Handlungsbedarf. Eine Sprecherin der Bafin sagte der Berliner Zeitung: „Aktuell planen wir auf nationaler Ebene kein Leerverkaufsverbot. Wir beobachten die Marktentwicklung, einschließlich der Short Positionen, aber eng und stehen in Kontakt mit den Börsenaufsichtsbehörden, den anderen nationalen Aufsichtsbehörden und der europäischen Aufsichtsbehörde ESMA.“

Die Bafin will aber genau hinschauen, ob es zu auffälligen Bewegungen kommt. Die Sprecherin: „Selbstverständlich beobachten wir in der aktuellen Lage sehr eng die Marktentwicklung. Dabei nutzen wir, wie auch zu Zeiten außerhalb von Corona, technikbasierte Auswertungsverfahren. Wir haben am Dienstag auch in einem Online-Hinweis Anlegern dazu geraten, vor Aktientransaktionen sehr genau und sorgfältig zu überprüfen, ob die in Börsenbriefen und sonstigen Werbepublikationen enthaltenen Informationen zur Corona-Pandemie zutreffend sind.“