Die Gewerkschaft IG Metall und die Belegschaften des kriselnden Bahntechnik-Herstellers Bombardier gehen in die Offensive: Am Donnerstag übergaben sie in einer „5 vor 12“-Aktion der Geschäftsleitung des in Berlin sitzenden Unternehmens einen Maßnahmeplan, den „Bombardier Fahrplan Zu(g)kunft“. Sie wollen damit erreichen, dass die Bahnsparte des kanadischen Konzerns ein klares Konzept zur Unternehmens-Entwicklung vorlegt und den geplanten Stellenabbau revidiert. Denn Bombardier Transportation hat ein großes Streichprogramm vorgelegt: Das Unternehmen will in Deutschland 1430 Arbeitsplätze von insgesamt rund 10.000 abbauen. Die ostdeutschen Standorte in Hennigsdorf, Görlitz und Bautzen sind mit mehr als 1000 Stellenstreichungen davon am stärksten betroffen.

„Mit Personalabbau werden die hausgemachten Probleme bei Bombardier nicht gelöst“, sagte der IG-Metall-Bezirksleiter und Aufsichtsrat bei Bombardier, Olivier Höbel. „Wir fordern das Management auf, endlich Maßnahmen in die Wege zu leiten, mit denen die Standorte in Deutschland zukunftssicher aufgestellt werden. Eine ehrliche Analyse der Situation geht nicht ohne – und schon gar nicht gegen – die Belegschaften.“ Gesamtbetriebsrat und IG Metall hätten deshalb ein Strategiepapier erarbeitet, in dem mehrere Handlungsfelder und entsprechende zukunftsorientierte Maßnahmen benannt werden. „Wir wollen Kompetenzen und Wertschöpfungsketten erhalten und ausbauen“, betonte Höbel. „Nur damit lassen sich Arbeitsplätze sichern und Standorte erhalten.“

In dem Konzept attestieren die Gewerkschafter dem Konzern, dass er sich  in den letzten Jahren in eine wirtschaftliche Schieflage hinein manövriert und Marktanteile verloren hat. Gründe hierfür seien unter anderem schwindendes Kundenvertrauen, zum Teil eingeschränkte Wettbewerbsfähigkeit, aber auch selektive Angebotspolitik. Die Belegschaftsvertreter stemmen sich unter anderem gegen die Absicht des Managements, in allen Bereichen die Verlagerung von Arbeit in Niedrigkostenländer und das Outsourcing zu Lasten interner Beschäftigung zu intensivieren. Ein Widersinn, finden die Gewerkschafter: „Man will dadurch Geld einsparen, das aktuell durch die Projektprobleme verloren geht. Projektprobleme, die teilweise gerade durch derartige Niedrigkostenexperimente verursacht wurden.“ Deshalb verlangen sie nicht nur einen Stopp weiterer Verlagerungen, sondern auch, dass die Niedrigkostenstrategie insgesamt auf ihre Nachhaltigkeit geprüft wird.

Schwaches Management, falsche Strukturen

Für den falschen Weg halten die Betriebsräte auch den Plan des Managements, die Fertigungskompetenzen in Deutschland „Schritt für Schritt aufzugeben und auch die Fertigungstiefe an den Standorten zu verringern“. Kosten würden so langfristig nicht gesenkt, sondern nur erhöht. Für eine zukunftsfördernde Maßnahme halten die Mitarbeitervertreter dagegen eine Aufstockung der Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen.

Scharfe Kritik gilt den wiederkehrenden Organisationsänderungen, der dadurch „vorherrschende Instabilität in den Strukturen und bei den Führungskräften“ des Unternehmens. Das führe bei Beschäftigten zu Unsicherheiten. Dadurch werde auch die Führungs- und Planungskompetenz „an Stellen geschwächt, wo Entscheidungen getroffen werden müssten“. IG Metall und Betriebsräte bescheinigen dem Konzern hiermit im Kern, dass er nicht handlungsfähig ist.

„Weder durch das Top-Management allein, noch mit Unterstützung millionenteurer Beratungsunternehmen ist es in den letzten Jahren gelungen, die existenziellen Probleme von Bombardier Transportation in Deutschland zu lösen“, sagte Jürgen Korstian, stellvertretender Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Bombardier Transportation Deutschland. Deshalb die Vorschläge der Mitarbeiter, die nun vom Management diskutiert werden müssten.