Der Botschafter der Russischen Föderation in Deutschland, Sergej J. Netschajew, bezieht in einem Statement für die Berliner Zeitung Stellung zur aktuellen Diskussion um Nord Stream 2. Hier im Wortlaut: 

Aus unserer Sicht ist über das Projekt „Nord Stream 2“ bereits seit langem alles gesagt.

Diesem rein wirtschaftlichen, multilateralen Projekt wurden alle benötigten Genehmigungen erteilt. In diesem Projekt steckt viel Mühe und Geld. Es entspricht den Interessen der deutschen und europäischen Gasverbraucher und trägt zur Diversifizierung der Energieversorgung bei. Es stärkt die Energiesicherheit der Bundesrepublik angesichts der Energiewende und fördert die Umsetzung der Klimaziele. Wenn die Bauarbeiten jetzt gestoppt werden, bedeutet das nicht nur, dass milliardenschwere Investitionen verloren sind, sondern auch, dass der Glauben der Investoren an die Gültigkeit abgeschlossener Kontrakte untergraben wird. Das würde negative Folgen nach sich ziehen und den Wunsch verstärken, protektionistische und politische Maßnahmen zugunsten eigener Interessen häufiger zu ergreifen.

Spekulationen über Europas angeblich wachsende Abhängigkeit vom russischen Erdgas sind unbegründet. Es gibt mehrere Lieferanten und Lieferwege. Niemand hat ein Verkaufsmonopol. Entscheidungen sollen aufgrund klarer und transparenter Marktmechanismen getroffen werden.

Die Versuche der vorigen US-Administration, das Projekt durch Erpressung, Drohungen und exterritoriale Sanktionen zu verhindern, waren Ausdruck unlauteren Wettbewerbs und illegitim. Wir hoffen, dass die neue US-Regierung ihre Partner und die Grundsätze des internationalen Handels respektieren wird.

Wir sind uns sicher, dass Russland, Deutschland und Europa in der Lage sind, ihre Energiepolitik souverän zu bestimmen, also ohne Einmischung oder „Tipps“ von außen und auf der Grundlage der Erfahrungen der mehr als 50-jährigen fruchtbaren Zusammenarbeit.