Schöner lesen: Die Bibliothek der Universität in Cottbus ist tatsächlich ein Hingucker. Die Uni soll weiter gestärkt werden und Spezialisten in die Lausitz locken. 
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CottbusDie Widersprüchlichkeit der wirtschaftlichen Entwicklung zeigt sich auch in der Lausitz. Dort wird einerseits argumentiert, dass mit dem vom Bund geplanten Ausstieg aus der Braunkohleverstromung direkt mehr als 8000 Arbeitsplätze in den Kohlegruben und den Kraftwerken bedroht sind. Andererseits wird die Arbeitsagentur beim nachweihnachtlichen Rückkehrertag in Cottbus mit fast 6000 freien Arbeitsstellen werben und 2000 Ausbildungsplätzen. Wie passt das zusammen?

„Es geht ja nicht nur um die Beschäftigen in der Kohle, von denen viele bis 2038 in den Ruhestand gehen werden“, sagte der Cottbuser Stadtsprecher Gloßmann. Es gehe ja gerade darum, dass es ein langsamer, möglichst gut gesteuerter Strukturwandel werden soll – und eben kein akuter Strukturbruch.

Fachleute in der Lausitz fehlen

Ein solcher sorgte nach dem Ende der DDR für schwere Depressionen in der Region, weil ein Großteil der einst 80.000 Kohle-Arbeitsplätze in der Lausitz sehr schnell wegfiel – und die Jugend flüchtete. Solche Brüche sollen nun mit einem 40-Milliarden-Euro-Programm des Bundes abgefedert werden. Das Ziel der Landesregierung ist es, die Lausitz als Energieregion zu erhalten – nun aber als ein Zentrum für erneuerbare Energie. Dabei wird vor allem auch auf die Stärkung des Wissenschaftsstandortes gesetzt. Die Universität Cottbus-Senftenberg soll weiter gestärkt werden und so dafür sorgen, dass junge Leute dort studieren. Sie sollen so gut gefördert werden, dass sie vor Ort innovative Firmen gründen.

Millionenförderung

Labor: Der Bund will den Aufbau des Forschungslabors „3DLab“ mit 15 Millionen Euro im Rahmen des Sofortprogramms für Kohleregionen fördern. Es entsteht an der  Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.
Reaktion: Die Landesregierung begrüßt die Entscheidung als „wichtiges Signal für die Lausitz“. Mit dem 3DLab will die Universität ihre Kooperationen mit Unternehmen in der Region ausbauen und so den Wissenstransfer stärken.
Innovation: Das 3DLab ermöglicht die Forschung und Weiterentwicklung von gedruckten Werkstoffen. So können alle Prozessschritte des 3D-Drucks erforscht werden, um etwa ultraleichte Bauteile für die Luftfahrt herzustellen.

Aber schon jetzt fehlen oft Fachleute in der Lausitz, im Handwerk, im Handel oder in der Pflege. Auch deshalb wird auf solche Rückkehrerprogramme gesetzt. „Das Lausitzer Völkchen hat seine Wurzeln und gibt sie nicht so gern auf“, sagte der Cottbuser Stadtsprecher. „Aber wenn die Lausitzer gezwungen sind, dann gehen sie. Doch sie bleiben heimatverbunden.“ Oft würden sie über soziale Medien den Kontakt halten. Gloßmann sagte: Immer wieder sei zu hören: Wenn es eine gute Chance gäbe, würden manche Leute auch gern zurückkehren.

Lob für die Initiativen

„Da geht es nicht nur um Arbeitsstellen“, sagte Gloßmann. „Wir zeigen beim Rückkehrertag, welche freien Plätze es in Kitas und Schulen gibt.“ Außerdem will Cottbus mit seinem Staatstheater und seiner Kulturszene punkten sowie mit den noch immer recht preiswerten Mieten. Die Stadt präsentiert sich als attraktiver Standort für Pendler – egal, ob die Leute in Berlin oder bei BASF in Schwarzheide arbeiten. Deshalb drängt die Stadt seit Jahren darauf, dass Cottbus ein zweites Gleis Richtung Berlin bekommt. Dann sollen die Züge im 30-Minuten nach Berlin rollen. Allerdings wohl erst frühestens ab 2027.

Auch in anderen Teilen Brandenburgs wird um Rückkehrer geworben. Die Rückkehrerinitiativen leisten aus Sicht der Landesregierung einen bedeutenden Beitrag. „Sie sind für potenzielle Rückkehrer und Zuzügler authentische Ansprechpartner in den Landkreisen“, heißt es in einer Mitteilung der Regierung von Mitte November. „Gut vernetzt beraten sie über die sozialen und wirtschaftlichen Chancen vor Ort.“