Protest in Gründheide: Es gab bereits mehrere Demos gegen die Tesla-Ansiedlung.
Foto: imago images

PotsdamDie geplante Ansiedlung des US-Elektroautobauers Tesla in Grünheide (Oder-Spree) könnte durchaus noch scheitern – an den Umweltauflagen. Das jedenfalls sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) in einem Interview mit dem Handelsblatt. „Die Antragsunterlagen für die Genehmigung müssen überzeugend darlegen, dass alle materiell-rechtlichen Umweltanforderungen eingehalten werden und ein hohes Schutzniveau für die Umwelt insgesamt sichergestellt ist“, sagte Steinbach. „Andernfalls ist das Projekt nicht genehmigungsfähig.“ Er widerspricht „vehement“, dass der Umweltschutz zu kurz komme. „Der Ball liegt hier ausschließlich im Feld von Tesla.“

Telsa will bei Grünheide für bis zu vier Milliarden Euro seine erste europäische „Gigafactory“ bauen. Dort sollen bis zu 9000 Jobs geschaffen werden und ab Juli 2021 die ersten Elektroautos gebaut werden. Nach der vierten und letzten Ausbaustufe sollen dann jährlich 500.000 E-Autos vom Band rollen. Das Genehmigungsverfahren läuft derzeit.

Kritiker fürchten, dass der enorme Wasserverbrauch der künftigen Fabrik für massive Schäden beim Grundwasser sorgen könnte. Das Werksgelände befindet sich etwa zur Hälfte in einem Trinkwasserschutzgebiet. Schon vor dem Abschluss des Genehmigungsverfahrens will Tesla 159 Hektar Kiefernforst roden lassen, damit dort gebaut werden kann. Die Rodung muss vor Beginn der Vegetationsperiode Anfang März beginnen, damit Brutvögel nicht gestört werden.

Minister: Keine ernsthaften Sorgen

Nach Angaben des Ministers könne die Frist für die Rodung noch mal um zwei Wochen verlängert werden. Dann sagte Steinbach: „Das heißt: Bis Mitte März muss die Rodung des Waldes spätestens erledigt sein. Sonst würde sich das Projekt um voraussichtlich ein drei Viertel Jahr verzögern. Das wäre dann eine Situation, in der ich deutlich skeptischer wäre, ob wir Tesla noch bei der Stange halten können.“

Auf die Frage des Handelsblattes, ob der Minister befürchte, dass Tesla noch abspringen könne, wenn die Landesregierung zu viel bremse, sagte er: „Man sollte nie nie sagen. Ich selber sage mir ständig: So sehr ich mich über die grundsätzliche Standortentscheidung gefreut habe, wirklich freue ich mich erst in dem Augenblick, wenn der erste von Tesla beauftragte Arbeiter tatsächlich einen Spaten in die Erde sticht, um eine Baugrube auszuheben.“

Steinbach nannte die Arbeit mit Tesla eine „echte Herausforderung“. So sei beispielsweise das Werk in Schanghai in China nicht vergleichbar. „Wir müssen dann manchmal sagen: Sorry, bestimmte Prozesse im Rahmen des Genehmigungsverfahrens bedürfen eben auch bestimmter zeitlicher Abläufe“, sagte Steinbach. „Die nächsten Wochen bis Mitte März sind immer noch eine Herausforderung.“ Er betonte: „Ich habe aber bisher keine Anzeichen, die mir ernsthafte Sorgen bereiten.“