Berlin - Es sind Tage und Wochen, die die Welt verändern. Putins Angriff auf sein Nachbarland Ukraine ist eine Rückkehr ins 20. Jahrhundert, in die Zeit der verheerenden imperialen Kriege. Mit diesem Krieg wird nun auch die Frage gestellt, ob die Welt auch in der Energiepolitik im 20. Jahrhundert verharren soll. Ob sie bei der Abhängigkeit von fossilen Energieträgern bleiben will, bei russischem Gas, arabischem Öl oder Brandenburger Braunkohle?

Brandenburgs grüner Umweltminister Axel Vogel fordert – auch und gerade angesichts des Krieges – den schnellstmöglichen Ausstieg aus der Braunkohle. Die Grünen und Umweltschützer wollen damit den Weg frei machen, um neue nachhaltige Formen der Energiegewinnung zu forcieren. So soll die Abhängigkeit von Energieträgern aus Diktaturen minimiert werden. So sollen die Klimaziele doch noch erreicht werden. Das Argument: Sonst sorgt der Klimawandel für Katastrophen, die zu noch mehr Kriegen führen.

Putin kann den Gashahn abdrehen

Dass Deutschland sich möglichst selbst mit Energie versorgt, muss nun ein primäres Ziel werden. Aber der Weg dorthin ist offen. Denn der Chef von Minister Vogel, Ministerpräsident Dietmar Woidke von der SPD, sagt das Gegenteil. Gerade weil wir beim Gas so abhängig von Putin sind, brauchen wir die eigene Kohle um so dringender.

Egal, wie die Debatte endet – die Politik muss schnell entscheiden, wenn sie handlungsfähig sein will. Sonst dreht Putin nur ein Mal kurz den Hahn zu und entscheidet.

Und die Politik sollte sich hüten, nun wieder in einen Parteienstreit zu verfallen. Es geht beides: Einerseits mehr Geld in intelligente Lösungen stecken, damit der regenerative Strom auch gespeichert werden kann. Zum Beispiel durch Wasserkraftwerke, wie in Österreich, oder als Wasserstoff. Andererseits verschaffen die Kohlekraftwerke die dafür nötige Zeit. Sie laufen noch acht Jahre.