Die Deutsche Bundesbank erwartet für das Jahr 2021 einen deutlichen Anstieg der Inflation: Erstmals zieht die Bundesbank in ihren aktuellen Analysen nicht mehr den deutschen Verbraucherindex (VPI) heran, sondern den Harmonisierten Verbraucherpreisindex der Europäischen Union (HVPI). Dies wird Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nach Informationen der Berliner Zeitung am Mittwoch in einer Pressekonferenz erläutern. Demnach rechnet die Bundesbank für das laufende Jahr mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 2,0 Prozent, in einzelnen Monaten kann die Spitze bei drei Prozent liegen. Der Umstieg auf den HVPI erklärt die Bundesbank mit der Tatsache, dass der EU-Index aktueller ist und daher die Preisentwicklung realistischer abbildet als der deutsche Index.

So werden im HVPI Waren, die man auch in der Pandemie kaufen kann, stärker gewichtet als solche, die wegen der Corona-Schließungen nicht erworben werden können. Die Steigerung war bereits im Januar festzustellen. Die Bundesbank schreibt dazu in ihrem Februar-Bericht: „Im Januar 2021 machten die Verbraucherpreise einen starken Sprung nach oben. Die Teuerungsrate legte außergewöhnlich kräftig von –0,7 Prozent im Dezember auf +1,6 Prozent zu.“ Auch die Kernrate zog demnach deutlich an – von –0,1 Prozent auf 2,0 Prozent. Der Anstieg war „damit noch stärker als aufgrund der Wiedereinführung der regulären Mehrwertsteuersätze und der Maßnahmen des Klimapakets zu erwarten gewesen war“, so die Bundesbank. Dies dürfte „durch umfangreiche Anpassungen der HVPI-Ausgabengewichte, insbesondere bei den Pauschalreisen, zu erklären sein“.

Die Bundesbank geht wiewohl davon aus, dass trotz der Öffnungen nach dem Lockdown kein nachhaltiger Anstieg der Inflation zu erwarten sei. Wegen der schwierigen Lage in vielen Branchen und Unternehmen kalkulieren die Notenbanker zudem damit, dass die Gewerkschaften Zurückhaltung bei Lohnforderungen üben werden. Im Euro-Raum insgesamt ist die Lage durchaus unterschiedlich: So herrscht in einigen Staaten Südeuropas bereits eine Deflation. In Griechenland etwa liegt die Inflationsrate bei minus 2,4 Prozent. Eine Unsicherheit bei der Prognose für die Inflation stellen die Rohstoffpreise dar. Während der Arbeitsmarkt keine Hinweise auf Preissteigerungen erkennen lässt, könnte bei den Rohstoffen der Preisdruck in Folge der Konjunkturbelebung nach den Lockdowns steigen. Mit einer Erhöhung der Leitzinsen rechnet die Bundesbank vorerst nicht. Auch die US-Notenbank hat signalisiert, dass sie keine Zinserhöhung plant. (mm.)