Ab Sonntag berät die Bundesregierung nun über die neue Mobilfunkstrategie.
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MesebergSchleppende Genehmigungsverfahren sowie eine komplizierte Standortsuche sind die Hauptursachen für weiße Flecken auf der deutschen Mobilfunk-Landkarte. Derzeit dauern diese Verfahren nicht selten zwei Jahre – pro Mast. Kein Wunder, dass Deutschland in Sachen Netzausbau hinterherhinkt. Ab Sonntag berät die Bundesregierung nun über die neue Mobilfunkstrategie.

„Telefonie und mobile Datennutzung müssen überall möglich sein - in Haushalten und Unternehmen, an Straßen, Bahnstrecken und Wasserstraßen wie auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen“, heißt es in den Eckpunkten der Mobilfunkstrategie der Bundesregierung.

Ziel der Mobilfunkstrategie ist es, dass Deutschland beim Mobilfunk eine internationale Spitzenposition auf Basis einer flächendeckenden 4G-Versorgung erreicht. Mit verschiedenen Maßnahmen sollen damit auch wichtige Voraussetzungen für den 5G-Ausbau geschaffen werden. Unter anderem sollen Mittel aus dem Sondervermögen Digitale Infrastruktur für die Erschließung von bis zu 5.000 bisher nicht mit Mobilfunk versorgten Gebieten bereitgestellt werden.

Öffentlicher Liegenschaften als Maststandorte

Öffentlicher Liegenschaften – Gebäude und Flächen des Bundes, der Länder und der Kommunen – sollen künftig für Maststandorte genutzt werden. Eugen Ensinger, Telekommunikationsexperte vom Vergleichsportal Verivox begrüßt das Vorhaben. „Für neue Mobilfunkstandorte verstärkt öffentliche Liegenschaften nutzen zu wollen, ist sinnvoll. Gleiches gilt für schnellere, digitale Genehmigungsverfahren.“

Im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern finanziert in Deutschland bisher nicht der Staat das Netz. Künftig will der Bund allerdings über eine staatliche Infrastrukturgesellschaft direkt beim Netzausbau mitmischen. Doch das Projekt dürfte mit einem hohen Zeitaufwand verbunden und außerdem sehr kostspielig sein. „Wenn überhaupt, sollten sich staatliche Eingriffe auf wirklich kritische Standorte beschränken, wo die Netzbetreiber mit eigenen marktwirtschaftlichen Mitteln nicht weiterkämen“, sagt Ensinger.

Wenn überhaupt, sollten sich staatliche Eingriffe auf wirklich kritische Standorte beschränken.

Telekommunikationsexperte Eugen Ensinger

Um Funklöcher auf einem „wirtschaftlich tragbarem Weg“ zu schließen, hatten Telekom, Vodafone und Telefonica jüngst eine Netzkooperation ab 2020 bekannt gegeben. Die drei Netzbetreiber wollen bis zu 6.000 neue Standorte gemeinsam aufbauen und nutzen. Auch Netzbetreiber-Neuling Drillisch wurde dazu eingeladen.