In jedem siebten deutschen Burger-King-Restaurant regiert derzeit die Angst. Mitarbeiter, die schweißtreibende neue Uniformen nicht anziehen möchten, sollen gekündigt werden. Tariflich vereinbarte Lohnerhöhungen sind auf Eis gelegt, ebenso das Urlaubsgeld. Betriebsräte müssen ihre Tätigkeit als Belegschaftsvertreter außerhalb der normalen Arbeitszeiten wahrnehmen. Dies geht aus internen Mitarbeiter-Anweisungen in 91 Burger-King-Filialen hervor, die dieser Zeitung vorliegen.

In den Restaurants, die Anfang Mai von der Yi-Ko Holding GmbH übernommen wurden, scheinen das Betriebsverfassungsgesetz und höchstrichterliche Urteile seither außer Kraft gesetzt (wir berichteten). „Es geht zu wie im Wilden Westen“, sagt Guido Zeitler von der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Mitarbeiter der Yi-Ko-Filialen bestätigen dies. Die Anteilseigener der GmbH, Ergün Yildiz und Alexander Kobolow, strebten ausschließlich nach höheren Gewinnen, die mittels geringerer Löhne erzielt werden sollten, heißt es. Wer Betriebsversammlungen besuche, werde mit Entlassung bedroht. „Ganz offensichtlich versucht Yildiz, die Belegschaft mit Mafiamethoden einzuschüchtern, bis sie alles widerstandslos hinnimmt“, sagt ein Mitarbeiter, der nicht genannt werden möchte. Ein anderer berichtet, er sei körperlich bedroht worden, weil er die Betriebsratsarbeit unterstützt.

Dessen ungeachtet kann von einem Ende der Betriebsratsaktivitäten bisher nicht die Rede sein, im Gegenteil: Gab es Anfang Mai 32 Betriebsräte in den 91 überwiegend in Süd- und Westdeutschland angesiedelten Yi-Ko-Filialen, so ist ihre Zahl mittlerweile auf 38 gestiegen. Die Mitarbeiter, viele von ihnen mit Migrationshintergrund und dem deutschen Arbeitsrecht kaum vertraut, setzen sich dennoch zur Wehr. „Wir tun alles, um sie zum Weitermachen zu ermutigen“, sagt Zeitler.

Unterdessen unternimmt das Duo Yildiz/Kobolov offenbar alles, um sie davon abzubringen. Man hat den Hamburger Rechtsanwalt Helmut Naujoks beauftragt, sich dem Problem der Arbeitnehmervertretung anzunehmen. Der Jurist genießt in Gewerkschaftskreisen den Ruf, rechtlich unkündbare Mitarbeiter, etwa Betriebsräte mit beherztem Zugriff vor die Tür zu setzen.

„Naujoks dient sich Arbeitgebern ganz offen damit an, er kündige auch die Unkündbaren“, sagt Zeitler. Der Anwalt folge dabei einem perfiden Fahrplan. Er versuche, zwischen Belegschaften und Betriebsräte einen Keil zu treiben.
„Unsere Wirtschaftsprüfer haben festgestellt, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Burger King GmbH schlimmen Missbrauch betrieben haben“, heißt es auf Informationsblättern, die für das Personal in den 91 Yi-Ko-Filialen seit diesem Montag aushängen. Mobbing werde nicht geduldet. Rechtsanwalt Naujoks stehe bereit, um dagegen vorzugehen. „Bitte haben Sie keine Angst, uns die Wahrheit mitzuteilen.“ Wahrheit? Missbrauch? Mobbing?

All das ziele gegen den Betriebsrat, glaubt Zeitler. Naujoks versuche, die Arbeitnehmervertreter zu Tätern zu stilisieren, die sich angeblich abfällig über Kollegen äußerten. Ein Mitarbeiter bestätigt das Mobbing, aber „nur durch Yildiz und seine Landsknechte.“
Zu einer Stellungnahme fand sich die Yi-Ko-Holding GmbH wie schon in den vergangenen Wochen am Mittwoch nicht bereit. Auch die Anwaltskanzlei Naujoks äußerte sich trotz mehrfacher Anfragen ebenfalls nicht.