Von wegen Billigflieger: „Dieser Mythos vieler Airlines ist nicht nur national, sondern auch im grenzüberschreitenden Verkehr endgültig enttarnt“, ist Michael Ziesack überzeugt. „Ob nach Paris, Basel oder Kopenhagen – wer mit der Bahn statt mit dem Flugzeug in Nachbarländer reist, fährt fast immer deutlich preiswerter“, sagte der Chef des Verkehrsklubs Deutschland (VCD) am Mittwoch bei der Vorstellung einer Preisvergleichsstudie.

Im Auftrag des VCD hatte die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften die Preise von 374 Reisen auf elf Strecken zwischen Metropolen im In- und Ausland verglichen. Ergebnis: Die Zugreisen waren in 93 Prozent der Fälle günstiger als der entsprechende Flug.

Der durchschnittliche Bahnpreis lag lediglich bei der Hälfte des Flugpreises − und das ganz ohne jegliche Einberechnung von Bahncard-Rabatten oder Rabattaktionen der Airlines. Bahncard-Besitzer erhalten bei grenzüberschreitenden Bahnreisen 25 Prozent Rabatt.

„Insbesondere auf kurzen Strecken ist die Reise mit der Bahn dem Flugzeug vorzuziehen, nicht nur aus Klimaschutzgründen“, schlussfolgerte VCD-Bahnexpertin Heidi Tischmann. Zu der gleichen Erkenntnis war der VCD schon vor einem Jahr bei einem Preisvergleich wichtiger innerdeutscher Bahn- und Flugverbindungen gekommen. Auch da hatte die Bahn den Flieger in mehr als 90 Prozent der Fälle preislich klar unterboten.

Familien profitieren besonders

Nach der am Mittwoch vorgestellten Studie profitieren Familien und Spontanreisende am meisten, wenn sie die Bahn bevorzugen. So spart zum Beispiel eine vierköpfige Familie bei einer vierzehntägigen Reise von Frankfurt am Main nach Brüssel oder Basel rund 700 Euro, von München nach Wien 528 Euro oder von Hamburg nach Kopenhagen sogar mehr als 800 Euro.

Das liege ganz wesentlich daran, dass Kinder bis zu 14 Jahren sehr kostengünstig mit ihren Eltern mitreisen können. Bei einer Flugreise müssen dagegen alle vier Personen den vollen Preis bezahlen.

Billiger seien aber zum Beispiel auch eintägige Geschäftsreisen. Lediglich bei Wochenendreisen schlage das Flugzeug in Einzelfällen die Bahn, konstatierte Studienautor Thomas Sauer-Servaes von der Zürcher Hochschule. So sei etwa ein Flug zwischen Frankfurt und Paris für zwei Erwachsene um durchschnittlich 146 Euro günstiger als die Bahnfahrt.

Wie zu Zeiten der Dampflok

Ausgewählt haben Sauer und seine Mitarbeiter allerdings nur bis zu etwa 600 Kilometer lange Strecken, auf denen Reisende mit der Bahn nur etwas langsamer ans Ziel kommen als mit dem Flieger – wobei sie bei Flügen pauschal zwei Stunden für An- und Abreise, Check-in, Sicherheitskontrolle und Boarding hinzurechneten.

Von der Entfernung her vergleichbare Bahnverbindungen wie Berlin-Warschau oder Berlin-Prag spielten keine Rolle – weil die schlecht ausgebaut und aus Sicht der Forscher deshalb nicht vergleichbar sind. Dies ist eine Schwachstelle in der Studie. Zwar sind viele grenzüberschreitende Bahnreisen von Berlin aus ebenfalls preisgünstiger als der Flug, doch aufgrund des schlechten Streckenzustandes auch viel langsamer. Viele Kunden dürften deshalb trotz der höheren Flugpreise die Airline bevorzugen.

Die Bahnverbindungen zwischen Deutschland und Polen etwa sind heute noch immer schlechter als zu Zeiten des Kalten Kriegs. Einzig die Strecke zwischen Berlin über Posen nach Warschau wurde auf Tempo 160 ausgebaut, womit sie noch zu den schnellsten gehört. Wer indes mit der Bahn von Berlin nach Breslau reisen will, muss fünfeinhalb Stunden einplanen. Da war der Fliegende Schlesier in den 30er-Jahren doppelt so schnell.

Auch in die baltischen Staaten war die Dampflok einst schneller als die Züge von heute. Gen Süden dauert der Gleisausbau weiter an. Erst ab 2017 soll die Fahrt nach München weniger als vier Stunden dauern, derzeit sind es noch mehr als sechs. Erst dann dürfte die Bahn auch auf dieser Strecke und weiter nach Wien wirklich wettbewerbsfähig sein.