In den letzten Jahren hat sich in der Berlin ein Wandel vollzogen: Statt zu kaufen, setzen immer mehr Berliner auf das Leih-Prinzip. Ob Fahrräder, Autos oder Elektro-Tretroller - still und leise hat der Sharing-Trend die Hauptstadt überrollt. Doch welche Angebote gibt es überhaupt? Und was muss ich beachten? Wir haben uns die Sharing-Dienste in Berlin genauer angeschaut und verraten, was Sie wissen müssen.

Carsharing

Ein eigenes Auto zu besitzen ist teuer und in einer Großstadt wie Berlin eigentlich überflüssig. Viele Berliner wollen dennoch nicht auf ein Auto verzichten. Die Lösung: Carsharing. Das Prinzip ist einfach: Gegen eine Gebühr mietet man für einen selbstgewählten Zeitraum via App oder vor Ort ein Auto. Abgerechnet wird je nach Anbieter nach Minuten oder Kilometern. In Berlin gibt es zwei Carsharing-Varianten: die flexiblen Carsharing-Angebote und die stationären Carsharing-Angebote.

Flexibles Carsharing

Wer sich für einen flexiblen Carsharing-Dienst entscheidet, muss das gemietete Auto an keinen festen Stellplatz zurückbringen, sondern kann es innerhalb eines bestimmten Geschäftsgebiets an einem beliebigen Ort ausleihen und wieder abstellen. Dieses Geschäftsgebiet liegt meist innerhalb des Berliner Rings, einige Anbieter haben ihr Angebot jedoch auch auf die Außenbezirke Berlins erweitert.

In Berlin gibt es fünf große Carsharing-Anbieter mit diesem sogenannten „Free Floating Prinzip“: Miles, SIXT share, WeShare und Car2go/Drive Now (bald SHARE NOW). Nach Angaben des Verkehrs-Staatssekretärs Ingmar Streese (Grüne) macht die Flotte der flexiblen Carsharing-Angebote in Berlin insgesamt etwa 3100 Fahrzeuge aus.

Stationäres Carsharing

Anders als bei den „Free Floating“-Angeboten, müssen die ausgeliehenen Fahrzeuge bei den stationären Anbietern immer an ihren ursprünglichen Standort zurückgebracht werden. In Berlin gibt es eine Vielzahl solcher Anbieter, zu denen mit den meisten Standorten gehören jedoch Cambio, Flinkster, Greenwheels, Stadtmobil, Ubeeqo und Oply

Alle Anbieter zusammen haben etwa 900 Fahrzeuge in Berlin. Die Preise bei den stationären Anbietern sind häufig günstiger als bei den Free-Floating-Angeboten, dafür ist man jedoch deutlich eingeschränkter.

Privates Carsharing

Eine dritte Möglichkeit in Berlin ein Auto zu leihen, ist das private Carsharing. Von der Idee her funktioniert das private Carsharing genauso wie das reguläre Carsharing. Der einzige Unterschied: Statt professioneller Anbieter sind es Privatpersonen, die ihre Autos anbieten. Drei Apps, die private Autovermieter in Berlin und Interessenten miteinander in Kontakt bringen, sind Drivy, Turo und SnappCar. Über die App erfolgt jedoch in den meisten Fällen nur die Kontaktaufnahme, die Vermietung der Autos erfolgt durch die jeweilige Privatperson.

Die Preise variieren je nach Anbieter, Autotyp und Mietdauer. Bei SnappCar etwa können Autos ab 22,50 Euro pro Tag gemietet werden. Bei Drivy kostet die durchschnittliche Buchung eines Autos ca. 30 Euro. Die anfallenden Spritpreise müssen in der Regel selbst gezahlt werden und kommen zu dem Leihpreis hinzu. Drivy bietet neben dem regulären Angebot auch den „Drivy Open“-Service an, bei dem die Autos direkt über eine App gebucht werden können.

Leihfahrräder

Immer mehr Menschen nutzen in der Hauptstadt das Fahrrad. Es gilt als flexibel und umweltfreundlich und ist für viele Berliner eine optimale Alternative zum Auto. Etwa 15.000 Mietfahrräder warten auf den Fußwegen Berlins auf ihre Kundschaft. Die bunten Fahrräder scheinen fast über Nacht die Hauptstadt überflutet zu haben. Ähnlich wie bei den Carsharing-Angeboten erfolgen Ausleihe und Rückgabe der Leihfahrräder über eine App.

Der große Vorteil gegenüber dem klassischen Fahrrad-Verleih: Die Leihräder können spontan und in der ganzen Stadt ausgeliehen werden. Ladenöffnungszeiten spielen für die Kunden keine Rolle. Je nach Anbieter gibt es entweder feste Abstellstationen oder die Fahrräder können flexibel im Geschäftsgebiet abgestellt werden. Zu den bekanntesten Anbietern in Berlin gehören Nextbike, Lidl-Bike, Mobike, Donkey Republic und Byke. LimeBike und Jump bieten außerdem die Möglichkeit, Elektro-Fahrräder auszuleihen.

E-Roller-Sharing​​

Um mehr für den Klimaschutz zu tun, nutzen immer mehr Berliner Elektrofahrzeuge. Im Sommer sind bei den Sharing-Kunden vor allem Elektro-Motorroller sehr gefragt. Sie rollen leise über die Straßen Berlins und sind bei den Kunden so beliebt, dass die beiden größten Anbieter Emmy und Coup ihre Flotte für die Saison 2019 deutlich aufgestockt haben. Ebenso wie bei den bisherigen Sharing-Angeboten, stehen auch die E-Roller rund um die Uhr zur Verfügung und können über eine Smartphone-App ausgeliehen und zurückgegeben werden. 

Die Roller von Coup und Emmy sind für zwei Personen zugelassen, die Berechnung der Kosten erfolgt nach Minuten. Bei beiden Anbietern gibt es keine festen Stationen, und die Roller können innerhalb des Geschäftsgebiets im öffentlichen Parkraum, also zum Beispiel am Rande des Gehwegs, beliebig abgestellt werden. Die in Berlin oftmals nervige Parkplatzsuche entfällt bei den E-Rollern also. Aufladen übernehmen die Anbieter selbst und auch wer keinen Helm besitzt, muss sich keine Gedanken machen, bei Coup ist ein Helm ist bei der Buchung inklusive, bei Emmy sind es sogar zwei Helme.

E-Scooter-Sharing

Die Diskussion um die Zulassung der elektrischen Tretroller in Deutschland war groß. Doch trotz des Gegenwinds und etlicher Sicherheitsbedenken können Verleih-Firmen seit Mitte Juni 2019 in Berlin E-Tretroller anbieten. Zu den ersten Anbietern in der Hauptstadt gehörten Circ, Lime, Tier und Voi. Die E-Scooter können in der ganzen Stadt via App des jeweiligen Anbieters ausgeliehen werden. Im Ausleihprozess fällt bei der Aktivierung meist eine feste Grundgebühr an, die anschließende Nutzung wird dann in Minuten abgerechnet.

Die E-Scooter können bis zu 20 km/h schnell fahren. Ein ziemlich rasantes Tempo - mit dem nicht jeder umgehen kann. Allein in den ersten vier Wochen wurden in Berlin 21 Unfälle registriert. Da die Fahrt mit den E-Scootern nicht ungefährlich ist, gibt es etliche Vorschriften, die bei einer Fahrt zu beachten sind. Gehwege und Fußgängerzonen sind für die E-Scooter beispielsweise verboten, erlaubt ist die Fahrt lediglich auf Radwegen und Radfahrstreifen. Nutzer der E-Tretroller müssen außerdem mindestens 14 Jahre alt sein, eine Fahrt zu zweit ist ebenfalls nicht erlaubt. Wer gegen diese Auflagen verstößt, muss mit hohen Bußgeldern rechnen. Für eine Fahrt auf dem Gehweg fällt etwa ein Bußgeld zwischen 15 und 30 Euro an.

Ride-Sharing

Ein weiterer Sharing-Trend, der sich in Berlin durchzusetzen scheint, ist das sogenannte Ride-Sharing. Die Idee dahinter: Mehrere Leute, die ein ähnliches Fahrtziel haben, schließen sich zusammen, bestellen sich einen Fahrservice und teilen die entstehenden Fahrtkosten. In Berlin ist das auch für kurze Strecken möglich und kann über professionelle Vermittler wie BerlKönig oder CleverShuttle unkompliziert gebucht werden. Das ist meist günstiger als Taxifahren und auch Menschen ohne Führerschein können diese Option dank der gestellten Fahrer nutzen.