Die DNA.
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Berlin / RostockEtwa 7 000 seltene Krankheiten sind bisher bekannt. Im Schnitt dauert es fünf bis sieben Jahre, bis ein Patient seine Diagnose erhält. Dies will das ostdeutsche Unternehmen Centogene ändern. Es ist Weltmarktführer in der gentechnischen Analyse seltener Krankheiten. Nun ist es einen weiteren großen Schritt gegangen. Seit Donnerstagabend wird es an der größten elektronischen US-Börse, der Nasdaq in New York, gehandelt.

Das Unternehmen konnte am Donnerstag 50,6 Millionen Euro aufnehmen und blieb damit leicht unter den Erwartungen der Analysten. Allerdings ist das aktuelle Börsenumfeld schwierig, was schon andere Biotech-Unternehmen zur Kenntnis nehmen mussten. So blieb die deutsche BioNTech noch wesentlich deutlicher hinter den Erwartungen zurück. 

Am grundsätzlichen Konzept von Biogene gibt es dagegen kaum Zweifel. Die Gründer kommen aus dem Fach und haben eindrucksvolle Laufbahnen vozuweisen.

„Nur wer diagnostiziert, kann auch therapieren“, sagte der Neurologe Arndt Rolfs einmal. Der heute 60-jährige Professor an der Universitätsmedizin in Rostock hatte die Centogene GmbH im Jahre 2006 gegründet. Aus dem kleinen Start-up ist ein Unternehmen mit 400 Mitarbeitern geworden. Es hat seinen Hauptsitz in Rostock mit Niederlassungen in Berlin und in den USA.

Mehr als zwei Milliarden klinische, genetische und biochemische Daten befinden sich in der Centogene-Datenbank – der nach eigenen Angaben weltweit größten zu seltenen Krankheiten. Etwa 450 000 Patienten aus 115 Ländern sind erfasst. Centogene entwickelt Dutzende Biomarker, auf deren Grundlage Krankheiten schnell diagnostiziert werden können. Denn das Problem ist, dass medizinische Symptome oft nicht eindeutig sind oder sich überlagern.

Ärzte können Blutproben ihrer Patienten an das Unternehmen Centogene senden. Mithilfe hoch entwickelter Technologie werden die Diagnosen erstellt. Die Ärzte erhalten Berichte zugeschickt. Die Plattform von Centogene steht auch   mehr als 35   Partnern aus der Pharmabranche zur Verfügung, damit spezielle Arzneimittel – sogenannte Orphan Drugs – für seltene Krankheiten entwickelt werden können.

Als selten wird eine Krankheit klassifiziert, wenn sie höchstens eine von 2 000 Personen betrifft. Zu den Leiden, für die Centogene Biomarker entwickelt hat, gehören die angeborenen Stoffwechsel- und Speicherkrankheiten Morbus Fabry, Morbus Gaucher, Morbus Farber und Mukoviszidose sowie das Hereditäre Angioödem. Mit dem Gang an die Börse will Centogene eigenen Angaben zufolge seine Weiterentwicklung sicherstellen. Vier Millionen Aktien zu einem Kurs zwischen 14 und 16 US-Dollar werden ausgegeben. Etwa 60 Millionen Dollar sollen damit in die Unternehmenskasse fließen.