Jennifer Morgan.
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BerlinSie galt als Superstar in der Wirtschaftswelt. Bereits als Jennifer Morgan 2017 in die Vorstandsetage des baden-württembergischen Technologie-Konzerns SAP einzog, zählte das Wirtschaftsmagazin Forbes die US-Amerikanerin zu den 100 „Most Powerful Women“. Dann folgte im Oktober vergangenen Jahres der Sprung nach ganz oben: Zusammen mit Christian Klein übernahm sie die Führung von SAP. Morgan war die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns.  Doch sechs Monate später ist das schon wieder Geschichte.

Am Dienstagmorgen teilte das bei Heidelberg ansässige Unternehmen mit, dass Klein allein die Führung übernehmen werde. Man habe sich „einvernehmlich verständigt“. Morgan werde das Unternehmen Ende des Monats verlassen.

Laut Firmendarstellung ist das Aus der 49-Jährigen der Corona-Krise geschuldet, die mehr denn je schnelles, entschlossenes Handeln und eine klare Führungsstruktur verlange. Es müssten Entscheidungen in Echtzeit getroffen werden, sagte der verbliebene und nun alleinige SAP-Chef Christian Klein am Morgen in einer Telefonkonferenz und versicherte, dass es keinerlei Probleme zwischen ihm und Morgan gegeben habe: „Das war keine persönliche Sache.“ Klar ist aber auch, dass der 39-jährige Klein kein großer Freund der Doppel-Spitze war.

Morgan, die in den USA Betriebswirtschaftslehre studiert hatte, begann ihre Karriere bei einer Unternehmensberatung. Zu SAP kam sie 2004 und wurde 2017 Vorstandsmitglied. Aufsichtsratschef Hasso Plattner dankte Jennifer Morgan laut einer Mitteilung ausdrücklich „dafür, was sie für das Unternehmen, unsere Mitarbeiter und Kunden getan hat“. Nun wird also der Co-Chef der Mann an der Spitze sein. Klein allein. Ein Manager, der bereits als Student bei SAP arbeitete und dem Plattner die unternehmerischen Visionen und Fähigkeiten attestiert, um SAP weiter voranzubringen.

Tatsächlich steht einiges auf dem Spiel. Mit einem Börsenwert von aktuell etwa 140 Milliarden Euro ist SAP das wertvollste börsennotierte Unternehmen Deutschlands. Trotz der Corona-Krise fuhr SAP im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn ein. Zwischen Januar und März stieg der Umsatz um sieben Prozent auf 6,5 Milliarden Euro. Zugleich verdiente der Konzern 811 Millionen Euro.

Daran hatte auch Jennifer Morgan ihren Anteil und dabei gut verdient. Im vergangenen Jahr bekam sie inklusive Altersvorsorge 1,97 Millionen Euro. Klein dagegen musste sich übrigens mit 1,85 Millionen Euro begnügen. So geht Gender Pay Gap auch.