Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Chefsessel?

Ich bin oft unterwegs – in den Städten, wo wir aktiv sind. Vor Ort sehe ich, was man verändern, besser machen kann. Ein Mal im Monat fliege ich nach Istanbul zu unserer türkischen Dependance. Im Büro in der Friedrichstraße bin ich etwa die Hälfte der 50 bis 60 Stunden Arbeitszeit in der Woche.

Wo können Sie am besten entspannen?

Beim Tauchen und beim Fotografieren unter Wasser. Das mache ich leidenschaftlich gern. Ob im Mittelmeer oder auf den Malediven: Das Dahintreiben 20 bis 40 Meter unter der Wasseroberfläche genieße ich. Es ist so schwerelos, so entspannend.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Als Kind fand ich Müllmann und Formel-1-Fahrer faszinierend. Irgendwann war aber klar, dass ich ins Familienunternehmen einsteige. Ich habe alle Bereiche des Unternehmens kennengelernt, das war ein großer Vorteil. Der Nachteil: Die Leistung wurde von meinem Vater doppelt streng bewertet, damit keiner denkt, ich werde der Familie wegen bevorzugt.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Bei Wind und Wetter habe ich in den Ferien Buswartehäuschen gewartet und repariert. Das war in Ettlingen. Diese Erfahrung hat mir großen Respekt vor den vielen Leuten eingebracht, die draußen arbeiten.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

Diejenigen, die bei der Arbeit ihr Leben oder ihre Gesundheit riskieren. Zum Beispiel Feuerwehrleute und Polizisten. Deren Gehälter sind miserabel. Ebenso in vielen Sozialberufen. Dort arbeiten wahre Helden des Alltags.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Unehrlich sein, jemanden bewusst schädigen. Auch für Geld verrate ich meine Prinzipien nicht.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Viele neue Tauchplätze erleben. Auf Kuba oder auf Island. Dort soll es in einer Lavaspalte zwischen dem amerikanischen und den eurasischen Kontinenten das klarste Wasser der Welt geben. Das will ich erleben.

Wie kommen Sie ins Büro?

Mit dem Auto. Leider nehmen die Staufallen in Berlin eher zu statt ab.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Im Sommer auf jeden Fall auf das Radfahren. Von Frohnau aus, wo ich wohne, ist man schnell im Umland. Mit meiner Frau sitze ich auch gern in der Bibliothek, zum Unterhalten und auf ein Glas Rotwein.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Noch in der Schulzeit Praktika machen, in Betriebe reinschnuppern, um zu sehen: Was gefällt mir, wo liegen meine Talente.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Wenn er ohne Entschuldigung zu spät kommt. Wenn das schon beim Vorstellungsgespräch nicht klappt, klappt’s nie.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich würde für mehr und vor allem schönere Grünflächen sorgen. In Istanbul sehe ich viel mehr Blumen und frage mich jedes Mal, warum Berlin das nicht auch so hinbekommt.

Zur Person:

Daniel Wall feiert in diesem Jahr ein Dienstjubiläum: Seit 30 Jahren arbeitet er beim Stadtmöblierer und Außenwerber Wall AG. 1984 stieg der heute 48-Jährige in das Unternehmen ein, das sein Vater Hans gegründet hatte. Und in einem Familienunternehmen bleibt man meist länger – zumal dann, wenn man es selbst formt. Der Industriekaufmann übernahm so anfangs die Leitung der IT-Abteilung, später in den 90er-Jahren den Aufbau und die Leitung des Produktionswerks in Velten. Seit 2007 ist der bekennende Hertha-Fan Vorstandvorsitzender des Unternehmens. Daniel Wall ist verheiratet und hat drei Kinder.