Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf dem Chefsessel?

Mittlerweile teile ich den Sessel mit meiner Frau, die zunehmend die Verwaltung übernimmt. Ich sitze aber immer noch zu viele Stunden, drei, vier pro Tag, darauf und wäre gern mehr in der Produktion.

Wo können Sie am besten entspannen?

Wenn ich mit meinem Sohn nach Hause komme, mit ihm im Garten ein Loch buddele oder ich in meiner Hütte am See bin.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Ja. Ich wollte schon immer Bäcker werden. Schon als Sechsjähriger bin ich in Meßkirch durch eine Gasse gelaufen, in die ein Bäcker seine Backstubenluft geblasen hat. Es gab für mich nichts Schöneres, als morgens den Geruch in der Nase zu haben.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Ich habe als Siebenjähriger angefangen, Geld zu verdienen, indem ich die Fernsehzeitschrift Gong ausgetragen habe. Es gab einen Pfennig pro Heft, 42 musste ich verteilen. Richtig verdient habe ich mit zwölf. Da habe ich für die Bäckerei, in der ich später in die Lehre ging, vor Schulbeginn Brötchen ausgefahren – sechs Tage die Woche. Dafür gab es sechs Mark – pro Woche.

Wer verdient Ihrer Meinung nach zu wenig?

Beschäftigte im Dienstleistungssektor: Verkäuferinnen, Pflege- und Reinigungskräfte. Dienstleistungen möchte jeder am besten in perfekter Form in Anspruch nehmen. Aber die Mentalität, dafür adäquat zu bezahlen, ist noch sehr unterentwickelt.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Meine Wertvorstellungen aufgeben. Etwas tun, hinter dem ich nicht stehe.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Noch 30 Jahre leben. Dafür muss ich ein bisschen was tun, etwa abnehmen.

Welche ist Ihre Lieblings-App?

Keine. Ich lese lieber Zeitung.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Ich komme meistens schon am frühen Nachmittag nach Hause, oft mit meinem Sohn. Die anderen sind noch nicht da. Dann genieße ich die Ruhe. Ich arbeite nicht mehr ganz so viel, nach 25 Jahren BäckerMann habe ich ja schon zwei Arbeitsleben hinter mir.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Zweigeteilt. Abiturienten sollen sich ein Jahr auf die Socken machen, die Welt erkunden und Sprachen lernen. Wer eine Lehre beginnen will, sollte Praktika machen, um herauszufinden, wo seine Stärken sind, was ihm Spaß macht.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Wenn er nicht weiß, was er will, und nichts über den Beruf weiß, für den er sich bewirbt. Und wenn ich ihm die Würmer aus der Nase ziehen muss, wenn er nicht von sich aus erzählt und nicht zeigt, dass er was will.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich würde Werkräume in Grundschulen ausstatten. Damit die Kinder wieder etwas mit ihren Händen machen, ein Gespür für Handwerk bekommen und nicht nur auf dem Handy rumspielen.