Chefsessel: Martin Tschopp von Ebay Deutschland

Berlin - Obwohl der gebürtige Schweizer einen großen Teil seiner beruflichen Karriere im Online-Geschäft tätig war, ist er eigentlich Maschinenbauingenieur. Mit diesem Diplom absolvierte der heute 40-Jährige die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich. Danach arbeitete er für die Unternehmensberatungen McKinsey und Bain & Company sowie die DHL in den USA.

Seine Karriere bei Ebay begann im Jahr 2003 und führte ihn nach Österreich, in die Schweiz und in die USA. 2009 wurde Tschopp Chef der Ebay-Tochter Mobile.de. Seit dem Frühjahr ist er Chef von Ebay Deutschland.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf Ihrem Sessel?

Ganz unterschiedlich, meistens aber nicht sehr viel. Manchmal bin ich eine komplette Woche lang in Berlin. Dann verbringe ich viel Zeit am Schreibtisch, aber noch mehr in Besprechungen mit meinem Team. In anderen Wochen bin ich fast nur unterwegs, tausche mich mit meinen europäischen und US-Kollegen aus oder besuche Kunden oder Konferenzen.

Wo können Sie am besten entspannen?

Bei meiner Familie. Meine Kinder bringen mich sofort auf andere Gedanken.

Wollten Sie schon immer werden, was Sie jetzt sind?

Natürlich nicht. Schon deshalb, weil es das Internet noch gar nicht gab, als ich Kind war. Als Junge wollte ich Pilot werden. Etwas bewegen und die Zukunft gestalten – das wollte ich allerdings auch schon immer.

Womit haben Sie Ihr erstes Geld verdient?

Als Schüler habe ich früher während der Schulferien das Schulhaus gereinigt und damit mein erstes eigenes Geld verdient. Dafür gab es, wenn ich mich recht erinnere, acht Franken die Stunde.

Was würden Sie niemals für Geld tun?

Da gibt es sehr viele Dinge. Ich habe klare Prinzipien und Ideale und lebe damit sehr gut.

Welchen Wunsch wollen Sie sich noch erfüllen?

Ich würde gerne mal wieder länger mit meiner Familie verreisen. Auf der Welt gibt es so viele spannende Länder und interessante Kulturen zu entdecken. Während meiner beruflichen Stationen in den USA und Australien hatte ich bereits die Gelegenheit, diese Regionen näher kennenzulernen. Das prägt mich bis heute. Zum Beispiel dadurch, dass ich anderen Kulturen gegenüber sehr offen und neugierig bin.

Wie kommen Sie ins Büro?

Meistens mit meinem VW Touran. Bei uns gibt es aber auch Fahrräder zum Ausleihen und neuerdings haben wir uns mit unserem Ebay Campus einem Carsharing-Projekt angeschlossen – ein sehr sinnvolles Konzept.

Worauf freuen Sie sich, wenn Sie abends nach Hause kommen?

Auf die gemeinsame Zeit mit meiner Frau und meinen beiden Kindern. Ich lese auch sehr gerne, im Moment zum Beispiel ein Buch über die Geschichte der Schweiz.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an Schulabgänger?

Seid neugierig, begeisterungsfähig, lernwillig und offen für Neues. Denn das Leben hat viel zu bieten! Es gehört dazu, dass man sich selber weiterentwickelt und sich neuen Herausforderungen stellt – auch wenn das nicht immer einfach ist.

Womit bringt sich ein Bewerber im Vorstellungsgespräch um alle Chancen?

Das kommt natürlich immer auf die Stelle an. Aber Interesse und Engagement sollte jeder Bewerber mitbringen – egal, ob Manager, Kundenberater oder Programmierer.

Was würden Sie mit 50 Millionen Euro in Berlin verändern?

Ich würde vor allem in die Bildung investieren und beispielsweise Anreize dafür schaffen, das junge Leute mehr Zeit im Ausland verbringen, um neue Sprachen und Kulturen kennenzulernen.

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Wer lenkt eigentlich die Berliner Wirtschaft? Wir stellen Ihnen interessante Unternehmerinnen und Unternehmer vor. „Chefsessel“ heißt unsere neue Rubrik, die Sie wöchentlich im Wirtschaftsteil lesen können.