Arbeiter stapeln Gemüse auf einem Markt in Peking.
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Peking - Das Auftauchen von Neuinfektionen des Corona-Virus hat zu einem unerwartet frühen Rückschlag für die Kulturwirtschaft in China geführt. Nachdem China über viele Wochen kaum noch neue Erkrankungen gemeldet hatte, war es vergangene Woche auf dem Großmarkt in der chinesischen Hauptstadt zu einem neuen Ausbruch gekommen. Es ist unklar, ob es sich um Einzelfälle, eine zweite Welle oder einen Mutation des Virus handelt. Seit Freitag wurden Dutzende neue Ansteckungen auf dem Xinfadi-Markt gemeldet.

Am Montag berichtete die Pekinger Gesundheitskommission von landesweit 49 neuen Infektionen, darunter 10 „importierte“ Fälle mit Sars-CoV-2 bei Reisenden und 39 lokale Ansteckungen. Von den im Inland übertragenen Fällen wurden 36 in Peking und drei in der benachbarten Provinz Hebei registriert, die alle mit dem Ausbruch auf dem Großmarkt in Verbindung gebracht wurden.

Als erstes haben die neuerlichen Infektionen zahlreiche kulturelle Einrichtungen betroffen, berichtet der chinesische Finanznachrichtendienst Caixin. Einige der Hauptattraktionen Pekings mussten ihre Türen wieder schließen – einige nur wenige Tage nach der Wiedereröffnung.

Kurz nachdem die ersten neuen Fälle am Donnerstag und Freitag gemeldet wurden, kündigten das Nationale Zentrum für darstellende Künste, Yonghe Lamasery, auch bekannt als Lama-Tempel, und das Beijing Tianqiao Performing Arts Center ihre vorübergehende Schließung ab Samstag an. Sie hatten jeweils nur wenige Tage geöffnet. Unklar ist die Lage in der Verbotenen Stadt und beim chinesischen Nationalmuseum.

Der lokale Krisenstab von Peking fordert eine verstärkte Kontrolle über Kultur-, Reise-, Speise- und andere Aktivitäten, strengere Kontrollen für Reisen und Sportveranstaltungen zwischen den Provinzen und Schul-Einschränkungen. Die Stadt Peking hat außerdem beantragt, alle Schwimmbäder, unterirdischen Fitnessstudios und Duscheinrichtungen in der Stadt zu schließen.

Chinas Wirtschaft hat sich im Mai nicht so stark von dem Konjunktureinbruch infolge der Corona-Krise erholt wie erhofft. Die Industrieproduktion legte zwar im Vergleich zum Vorjahr um 4,4 Prozent zu, wie das nationale Statistikamt am Montag in Peking mitteilte. Volkswirte hatten allerdings mit einem Plus von 5,0 Prozent gerechnet. Im April war die Industrieproduktion der zweitgrößten Volkswirtschaft um knapp vier Prozent gestiegen.

Im Mai verzeichnete das Verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von 5,2 Prozent den größten Anstieg, gefolgt von der Energieversorgung mit plus 3,6 Prozent. Die Investitionen in Sachanlagen enttäuschten ebenfalls. Hier meldete das Statistikamt für den Zeitraum von Januar bis Mai einen Rückgang von 6,3 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die Lage der Weltwirtschaft sei schwieriger und komplizierter geworden, teilte das Statistikamt mit. Die Binnenkonjunktur sehe sich nach wie vor mit vielen Risiken und Herausforderungen konfrontiert. Die Sorgen mit Blick auf die Binnennachfrage unterstrichen die Zahlen zur Umsatzentwicklung im Einzelhandel. Die Umsätze fielen im Mai im Jahresvergleich um 2,8 Prozent, wohingegen Analysten mit einem geringeren Rückgang um 2,3 Prozent gerechnet hatten.

Volkswirt Hao Zhou von der Commerzbank sagte der dpa, da eine vollständige Abriegelung unwahrscheinlich sei, sei ein Anstieg der neuen Fälle wohl unvermeidlich. Damit würden die negativen Auswirkungen des Virus länger anhalten und die wirtschaftliche Erholung werde verlangsamt.

Der Markt, der die neue Unruhe ausgelöst hat, und der rund 90 Prozent des Gemüses und Obsts der 20-Millionen-Metropole liefert, wurde geschlossen. Im Umfeld wurden Wohnviertel abgeriegelt sowie Kindergärten und Grundschulen zugemacht.

Wie die Behörden mitteilten, wurden allein am Sonntag in der Hauptstadt mehr als 76 000 Menschen auf das Coronavirus getestet. Auch gingen in großen Teilen der Stadt Mitglieder der Nachbarschaftskomitees von Tür zu Tür, um Anwohner zu befragen, ob sie in den vergangenen Tagen auf dem Großmarkt waren. An vielen Orten in der Stadt wurden Kontrollen wie etwa Fiebermessen vor dem Betreten von Restaurants und Geschäften wieder verschärft.

Bereits am Wochenende hatte der Covid-19-Krisenstab der Hauptstadt angekündigt, die Kontrolle von Fracht und Reisenden bei der Einreise verschärfen zu wollen, um eine weitere Einschleppung des Virus zu verhindern. China vergibt seit März ohnehin keine normalen Visa mehr an Ausländer und beschränkt die Einreise heimkehrender Chinesen. Internationale Flüge sind sehr begrenzt. Auch werden Corona-Tests sowie 14 Tage Quarantäne verlangt. (BLZ/mit dpa)