Die Regierung in China erwartet sich von der neuen US-Führung eine gewisse Entspannung hinsichtlich der von US-Präsident Donald Trump begonnenen Handelskriege.

Die Führung hat dem Demokraten Joe Biden und seiner künftigen Stellvertreterin Kamala Harris zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl in den USA gratuliert – auch wenn die beiden noch nicht offiziell im Amt sind: „Wir respektieren die Wahl der Menschen in Amerika und übermitteln Herrn Biden und Frau Harris unsere Glückwünsche“, erklärte Wang Wenbin, ein Sprecher des Pekinger Außenministeriums, am Freitag. Man verstehe, dass das Ergebnis der US-Wahlen gemäß der US-Gesetze und der dortigen Verfahren festgelegt werde, sagte der Sprecher weiter.

Chinesische Medien hatten sich bereits unmittelbar nach dem Wahltag leicht optimistisch zu Biden geäußert. Zwar wurde kaum eine Chance gesehen, die Uhr zurückzudrehen und das Auseinanderdriften der beiden Supermächte umzukehren. Zumindest aber könnte mehr Rationalität unter Biden dazu führen, dass eine weitere rasante Erosion der Beziehungen oder sogar eine unkontrollierbare Eskalation unwahrscheinlicher werden.

Das Wahlergebnis könnte so „die Möglichkeit für die Wiederaufnahme der Kommunikation auf hoher Ebene“ bieten, hieß es etwa in der staats- und parteinahen Zeitung Global Times. Dies sei ein wichtiger Schritt, um gegenseitiges Vertrauen wieder aufzubauen. Die Zeitung schlug vor, dass die beiden Länder bei der Eindämmung des Coronavirus und der Entwicklung von Impfstoffen zusammenarbeiten könnten, und stellt fest, dass Biden in auswärtigen Angelegenheiten „gemäßigter und reifer“ sei als Trump. China hofft auf die Rückkehr der USA zum Pariser Klimaabkommen und in die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

So sind Kooperationen im Kampf gegen den Klimawandel, gegen die Pandemie oder bei Impfstoffen wieder denkbar. Auch im Handelskrieg wird mit neuen Verhandlungen gerechnet – und nicht mehr mit einer ganz so harten technologischen „Entkoppelung“, wie sie Trump anstrebte. Allerdings besteht auch unter der neuen Regierung Konsens, dass China ein strategischer Konkurrent ist. Zu diesem Urteil kommt Wang Tao, Chefökonom für China und Asien bei der Schweizer Investmentbank UBS, in einem Beitrag für die chinesische Wirtschaftszeitung Caixin. Die „neue Regierung könnte allerdings einen umfassenden und strategischen Ansatz für die Beziehungen zwischen den USA und China verfolgen“.

Laut Wang werde die Biden-Regierung „wahrscheinlich eine harte politische Haltung gegenüber China beibehalten, den Zugang Chinas zu fortschrittlichen Technologien streng einschränken und daran arbeiten, mehr Arbeitsplätze nach Amerika zurückzubringen“. Positiv sieht Wang das Thema Handel. Er schreibt: „Das Handelsabkommen der ersten Phase hat sich in diesem Jahr trotz der Herausforderungen von Covid-19 und der Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und China an anderen Fronten bisher gehalten.“

Wang erwartet, dass sowohl China als auch die USA das Abkommen neu verhandeln dürften. China möchte mehr Handel, die USA wollen „weitere strukturelle Maßnahmen in China in Bezug auf den Schutz des geistigen Eigentums und gleiche Wettbewerbsbedingungen vorantreiben“. Ein neues Abkommen dürfte es allerdings erst frühestens in einem Jahr geben: „Bevor dies geschieht, erwarten wir keine Senkung oder Aufhebung bestehender US-Zölle.“ Die UBS geht davon aus, dass sich Chinas BIP-Wachstum im Jahr 2021 auf 7,5 Prozent erholen wird. Daher erwarten die Analysten eine deutliche Erholung des Inlandsverbrauchs, unterstützt durch robuste Exporte inmitten einer globalen Erholung. Die Infrastrukturinvestitionen dürften sich im Jahr 2021 leicht verlangsamen – ebenso wie das Kreditwachstum, „da sich die Behörden erneut auf die Eindämmung finanzieller Risiken konzentrieren“ werden.

In den Beziehungen zwischen den USA und China bestehen erhebliche kurzfristige Risiken. Bevor die neue Regierung am 20. Januar ihr Amt antritt, können Präsident Trump und die derzeitige US-Regierung zusätzliche Maßnahmen gegen China ergreifen. Solche Maßnahmen können zu Marktvolatilität führen. Trump könnte weiter versuchen, einige chinesische Unternehmen zu zwingen, sich vom US-Markt zurückzuziehen. Außerdem sind Provokationen denkbar, etwa im Zusammenhang mit Hongkong. Wang schreibt, dass der Yuan gegenüber dem US-Dollar schwächer werden dürfte. Dennoch erwartet der Ökonom, dass China wegen der fortschreitenden Öffnung der Finanzmärkte für Investoren attraktiv bleibt. (BLZ, mit dpa)