China in Berlin: Seid umschlungen!

Wenn deutsche Manager an China denken, dann bekommen sie glänzende Augen. Es gibt dort eine riesige Bevölkerung, die nach westlichen Produkten giert. Volkswagen etwa verkauft mittlerweile mehr Autos im Reich der Mitte als in Westeuropa. Die deutschen Exporte in das Land nehmen seit Jahren sprunghaft zu, gleichzeitig haben hiesige Unternehmen dort im großen Stil investiert und eigene Produktionskapazitäten aufgebaut. Mehrere Tausend deutsche Firmen sind in China präsent.

Wenn chinesische Manager an Deutschland denken, dann wissen sie oft nicht so recht, ob sie lachen oder weinen sollen. Es gibt hier eine zahlungskräftige Bevölkerung, tüchtige Fachkräfte und jede Menge Know-how. Aber als chinesisches Unternehmen im Hochlohn-Land Deutschland investieren? Davor schrecken viele Firmen zurück.

Das jedoch soll sich ändern. In Berlin ist am Donnerstag offiziell die Chinesische Handelskammer in Deutschland (CHKD) eröffnet worden. Es ist die erste Einrichtung dieser Art in Europa. Bei dem Festakt im Haus der Wirtschaft waren unter anderen der zuständige Bundesminister Sigmar Gabriel (SPD), der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Eric Schweitzer, sowie der chinesische Botschafter Shi Mingde zugegen. Die chinesischen Firmen in Deutschland wollen sich stärker vernetzen und ihre Interessen besser vertreten. Die Kammer soll auch Ansprechpartnerin sein für Unternehmen, die über ein Engagement in Deutschland nachdenken.

Wie zögerlich die Chinesen bislang in Bezug auf Investitionen in der Bundesrepublik sind, verdeutlichen folgende Zahlen: Weniger als 100 chinesische Firmen sind erst Mitglied der CHKD. Zu ihnen zählen unter anderem Air China oder der Telefonkonzern Huawei. Bei den deutschen Auslandskammern in China sind hingegen mehr als 5 000 Firmen organisiert. Sie verfügen über Produktionskapazitäten im Wert von rund 40 Milliarden Euro. Die Chinesen in Deutschland kommen erst auf zwei Milliarden.

Zwanzig deutsche Firmen sind im vergangenen Jahr an chinesische Investoren verkauft worden. Das war ein Rekord, doch scheint noch jede Menge Luft nach oben zu sein. Oft sind solche Transaktionen mit Ängsten vor Job-Abbau oder einem ungewollten Technologietransfer verbunden. Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag hingegen heißt es: „Wenn die Chinesen hier Kapital reinbringen, müssen wir froh sein.“ Schließlich würden auf diese Weise mitunter auch Betriebe gesichert, die allein keine Chancen mehr auf den Weltmärkten hätten.