Nationalflaggen von den USA und China.
dpa/AP/Andy Wong

Die globale Wirtschaftskrise hat den internationalen Handel kräftig erschüttert und tiefe Spuren im Exportgeschäft deutscher Unternehmen hinterlassen. Zwar konnten sich die deutschen Exporte nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes im Mai etwas erholen. Doch die Zunahme im Mai um 9,0 Prozent gegenüber April kann nur einen Bruchteil des Rückgangs um fast ein Drittel im April kompensieren. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) stellt bei der Entwicklung eine Verschiebung fest, die auch mit der unterschiedlichen Entwicklung an einzelnen Absatzmärkten im Zuge der Corona-Krise zu tun hat. Von besonderer Bedeutung ist der anhaltende Aufstieg Chinas zum Exportzielland Nummer eins.

Im Jahr 2019 war China, gemessen am Umsatz, der drittwichtigste Markt für deutsche Unternehmen. Die deutschen Exporte beliefen sich auf 96,0 Milliarden Euro und waren um 10,7 Milliarden Euro geringer als die Exporte nach Frankreich und 22,7 Milliarden Euro unter dem Wert der Exporte in die USA. Die Daten für die Monate Januar bis Mai 2020 zeigen ein ähnliches Ranking unter den Top 3. Doch der Abstand zwischen China und den zwei wichtigsten Exportzielländern ist wesentlich geringer als im Vorjahreszeitraum. So waren die deutschen Exporte nach China um nur 0,6 Milliarden geringer als die deutschen Exporte nach Frankreich.

Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Krisenverläufe in den beiden Ländern dürfte China bereits im Juni Frankreich als Exportzielmarkt Nummer 2 für die deutsche Wirtschaft abgelöst haben. Auch der Abstand zu den USA hat sich erheblich verringert: von 9,2 Milliarden Euro im Januar bis Mai 2019 auf 5,6 Milliarden Euro im entsprechenden Zeitraum in 2020. Für das Jahr 2020 geht das IW von einem kräftigen Rückgang der deutschen Exporte in die USA gegenüber dem Jahr 2019 aus. Die chinesische Wirtschaft legte hingegen im zweiten Quartal 2020 bereits um 3,2 Prozent zu und die Anzahl der Neuzulassungen im Automobilbereich lag im Juni bereits um 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert (VDA, 2020).

Im weiteren Verlauf des Jahres 2020 dürfte sich das deutsche Exportgeschäft in China weiter erholen. Der Internationale Währungsfonds (IMF) geht aktuell von einem im langfristigen Vergleich bescheidenen und dennoch positiven realen Wirtschaftswachstum in China von 1,0 Prozent aus (IMF, 2020). Ob am Ende des Jahres die deutschen Exporte nach China ein Plus verbuchen, bleibt fraglich. China dürfte selbst bei einem Nullwachstum am Ende des Jahres 2020 die neue Nummer eins unter den deutschen Exportzielländern sein. Mittelfristig könnte Chinas  Wirtschaft im kommenden Jahr entsprechend um 8,2 Prozent zulegen und somit seine Spitzenposition für die deutschen Exporte im Jahr 2021 ausbauen, so das IW.

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