Der weltweite Chipmangel hat sich zu einer wirtschaftlichen Krise zugespitzt. Gerade nach Europa reißen die Lieferketten ab und führen nicht nur auf dem Automobilmarkt zu erheblichen Verzögerungen und Preissteigerungen.

Das ist auch ein Ergebnis einer Politik des Zuschauens, die zuließ, dass Europa beim technologischen Wandel hinterherhinkt und nun droht, gänzlich abgehängt zu werden. Bei Solaranlagen und im Mobilfunkbereich ist das gerade in Deutschland schon der Fall.

Auch bei der Chipproduktion und -verarbeitung steht der Kontinent an der Schwelle zur Bedeutungslosigkeit. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) plädierte Mitte Dezember dafür, mehr Produktion nach Deutschland und Europa zu holen. Das ist richtig. Die Schritte und Ziele eines solchen Vorhabens aber müssen genau durchdacht werden.

Es ist nicht damit getan, hochmoderne Chipproduktion nach Europa zu holen. Abgesehen von der fraglichen Umsetzbarkeit eines solchen Vorhabens – eine einzige hochmoderne Chipfabrik kostet um die 25 Milliarden Dollar – existiert hier bisher kein Markt für modernste Chips. Es gibt viel zu wenig Abnehmer. Praktisch alle Firmen, die derartige Chips bestellen, sitzen in den USA und im asiatischen Raum.

Ein konkurrenzfähiger und ausgewogener Markt

Das richtige Ziel Habecks, Europa auf dem modernsten Chipmarkt konkurrenzfähig zu machen, ist ein Langzeitprojekt, das nur über ein kluges Investieren in sowohl Chipproduktion als auch Chipverwertung erreicht werden kann. Nur so entsteht ein konkurrenzfähiger, ausgewogener Markt. Dazu gehört auch, dass Chips bestellende und verwertende Start-ups gefördert werden und in Europa florieren können.

Das reine Ansiedeln hochmoderner Chipproduktion in Europa ohne Förderung entsprechender Firmen, die die Chips auch abnehmen, könnte sonst zur Milliardensummenverschwendung werden.