Berlin - Die größte Plattform für den Handel mit Kryptowährungen, Coinbase, ist am Mittwoch durch eine Direktplatzierung an der Nasdaq gestartet. Der Preis für die einzelne Aktie stieg gleich zu Anfang auf 340 Dollar – fast 100 Dollar mehr als der ursprünglich vom Technologieaktienindex NASDAQ genannte Referenzpreis von 250 Dollar. Um 15.30 Uhr deutscher Zeit startete der Handel in den USA. Am Ende des Handelstags lag der Kurs mit 328 Dollar immer noch deutlich über dem Referenzpreis. 

Als Handelsbörse profitiert Coinbase direkt vom Boom der Kryptowährungen. Die bekannteste von ihnen: der Bitcoin. Der Preis für den einzelnen Bitcoin liegt mittlerweile auf einen Rekordstand von rund 65.000 Dollar. Coinbase hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Handel mit Kryptowährungen so einfach wie möglich zu machen, und spricht damit den aus Unternehmenssicht noch unterentwickelten Massenmarkt an.

Der Börsengang über eine Direktplatzierung, dem sogenannten Direct Listing, gilt als günstiger und unbürokratischer als der klassische Börsengang. Bei einem regulären Börsengang werden neue Aktien geschaffen, gezeichnet und an die Öffentlichkeit verkauft. Bei einer Direktplatzierung werden hingegen keine neuen Aktien geschaffen und nur bestehende, im Umlauf befindliche Aktien ohne Beteiligung von Emissionsbanken in den Handel gebracht.

Coinbase steht damit in einer Reihe mit anderen hoch bewerteten Finanzwerten an der Börse. Zum Vergleich: Die Muttergesellschaft der New Yorker Börse, Intercontinental Exchange, ist rund 66 Milliarden Dollar schwer. Die traditionsreiche Investmentbank Goldman Sachs kommt nach starken Zahlen fürs erste Quartal 2021 auf eine Bewertung von 116 Milliarden Dollar.

Nach Unternehmensangaben lag der Umsatz von Coinbase im vergangenen Jahr bei 1,3 Milliarden US-Dollar. Coinbase konnte somit einen Gewinn von 322 Millionen US-Dollar erzielen – ein Großteil davon geht auf das letzte Quartal zurück, in dem der Kurs des Bitcoin besonders stark gestiegen ist. Das Geschäftsmodell ist stark an den Kurs des Bitcoin gekoppelt, denn es finanziert sich über Transaktionsgebühren beim Handel mit Kryptowährungen. 

Kritiker mahnen, die Bewertung sei zu hoch

Unterdessen mahnen Analysten zur Vorsicht. Über die hohe Bewertung des Unternehmens wird an der Wall Street viel diskutiert. So bezahlen Kunden bei Käufen auf Coinbase derzeit noch eine Transaktionsgebühr in Höhe von 0,5 Prozent, auf günstigeren Handelsplätzen liegen die Transaktionsgebühren oftmals deutlich unter diesem Wert – sollte sich der Markt weiter ausdifferenzieren, erwarten Analysten deshalb sinkende Gewinnspannen.

Zudem steht Coinbase bereits heute einer soliden Konkurrenz gegenüber. Auch Bezahldienste wie Paypal und Square sind im Markt mit Kryptowährungen aktiv. Der Neobroker Robinhood bietet sich seinen Kunden ebenso als Handelsplattform an. Allerdings ist Coinbase mit seinen 56 Millionen Nutzern bislang weltweit deutlich Marktführer. Der Konkurrent Robinhood kommt laut dem amerikanischen Fernsehsender CNCB derzeit nur auf 9,5 Millionen Nutzer, die mit Kryptowährungen handeln.

Eine Investition in Coinbase gilt vor diesem Hintergrund als risikoreich. In Deutschland hat das Unternehmen nach Informationen des Magazins Capital bereits eine Dependence eröffnet und bemüht sich derzeit um eine Bafin-Lizenz für den Handel mit Kryptowährungen.