Symbolbild
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BerlinDas Solidarprinzip ist ein Grundgedanke der Versicherungswirtschaft. In Zeiten der Corona-Pandemie wird es zum gesellschaftstragenden Element, das viele Positivbeispiele hervorbringt. Aber es gibt auch Negativbeispiele. Ausgerechnet in der Assekuranz greift derzeit nahezu flächendeckend ein besonders kritikwürdiges Verhalten um sich. Es trifft mit Gastronomen und Hoteliers Menschen, die von Corona besonders geschädigt werden. Ihnen wird Geld für Betriebsschließungspolicen verweigert, das sie zur Abwendung von Pleiten benötigen.

Die Versicherungskonzerne berufen sich auf das Kleingedruckte. Das kennt so mancher Verbraucher von eigenen Schadensfällen. Die Taktik ist dabei oft, erst einmal nicht zu zahlen. Die meisten Kunden akzeptieren das knurrend, weil sie Papierkrieg und Rechtsstreits scheuen, obwohl sie oft gute Chancen hätten, Recht zu bekommen. Diese Taktik mancher Versicherer ist schon zu normalen Zeiten fragwürdig. Jetzt ist sie ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen und auch des überwiegend solidarischen Teils von Gesellschaft und Wirtschaft.

Seit dieses Verhalten der Assekuranz zunehmend öffentlich wird, ist gesteigerte Betriebsamkeit in den Managementetagen zu beobachten. Die Versicherer scheinen langsam zu begreifen, welche Gefahr ihre Knausrigkeit für Ruf und Vertrauen bedeutet. Beides ist das Grundkapital der Assekuranz. Diejenigen, die ihre Kunden jetzt allein lassen, werden es nach der Corona-Krise schwer haben, ihre Produkte zu verkaufen. Zumindest diese Erkenntnis sollte in den Vorstandsbüros ankommen, wenn schon der normale Anstand nicht mehr vorhanden ist.