Vision der Innenstadt. 
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Der Handelsverband Deutschland (HDE) hält es für denkbar, dass die Corona-Krise das Aus für rund 50.000 Geschäfte bedeuten könnte. Die Innenstädte sähen sich mehreren Problemfeldern gegenüber, wie dem Strukturwandel im Einzelhandel, der Digitalisierung und zuletzt den Corona-Lockdown.

Der Handel erwartet eine „Herausforderung, wie er sie vielleicht noch nie erlebt hat“, sagte der Geschäftsführer des Kölner Instituts für Handelsforschung, Boris Hedde, der Nachrichtenagentur dpa. Der Immobilienexperte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI, Marco Atzberger, sagt: „Der Abschmelzungsprozess, den wir seit Jahren im stationären Handel und besonders im Textilhandel beobachten, wird durch die Corona-Krise noch einmal beschleunigt. Handel, Kommunen und Vermieter müssen hier zusammenarbeiten, um dem schleichenden Tod vieler Einkaufsstraßen entgegenzuwirken.“

Für Unruhe in Berlin und anderen Städten sorgen die Schließungspläne von Galeria Karstadt Kaufhof. Die Kaufhäuser sind in den Fußgängerzonen noch immer Kundenmagneten, ohne die das Überleben auch für die Händler in der Nachbarschaft schwierig wird. Außerdem zeigt die Erfahrung, dass es oft mühsam ist, eine neue Nutzung für ehemalige Warenhäuser zu finden. Sie sind zu groß und häufig auch zu sehr in die Jahre gekommen, um ohne Weiteres für einen neuen Mieter attraktiv zu sein.

So stand im hessischen Rüsselsheim das im Jahr 2000 geschlossene Karstadt-Warenhaus 19 Jahre lang leer, bevor der Bau in diesem Frühjahr abgerissen wurde. Am ehemaligen Warenhausstandort sollen nun Wohnungen und ein Bürgerbüro entstehen. Im niedersächsischen Delmenhorst steht das einstige Karstadt-Warenhaus seit nunmehr elf Jahren leer. In Oberhausen dauerte es acht Jahre, bis in dem 2012 geschlossenen Kaufhof-Gebäude vor wenigen Wochen nach umfangreichen Umbauarbeiten das Arthotel Ana eröffnete. Im schleswig-holsteinischen Rendsburg wird das ehemalige Hertie-Haus gerade zu einem Seniorenheim mit 110 Betten umgebaut.

Doch Galeria Karstadt Kaufhof ist nur ein Beispiel. Gerade in der Modebranche häufen sich die Problemfälle: Von Appelrath Cüpper über Hallhuber bis zu Sinn, von Esprit bis Tom Tailor. Allein Esprit will im Zuge seiner Sanierungsbemühungen rund die Hälfte der Filialen in Deutschland – insgesamt rund 50 Geschäfte – schließen. Vielen Unternehmen gerade aus der Modebranche ging es allerdings schon vor dem Lockdown nicht gut. Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen. Das Corona-Virus traf bei den Händlern sozusagen auf vorgeschädigte Opfer.

In den kommenden Jahren könnte sich das Bild vieler Innenstädte dramatisch verändern. Der Modehandel dürfte dort künftig weniger stark dominieren. „Handwerk, Dienstleistungen, Möbel- oder Baumärkte und Lebensmitteldiscounter werden wieder in die Innenstädte zurückkehren“, prognostiziert Hedde. (BLZ mit dpa)

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