Lufthansa-Chef Carsten Spohr warnt vor zu großem Staatseinfluss.
Foto: dpa/Arne Dedert

BerlinMitte April schien es noch, als sei Carsten Spohr der Optimist in einem Heer von Untergangspropheten. Und das, obgleich die Corona-Krise Lufthansa verhältnismäßig früh getroffen hatte. Schon Anfang des Jahres musste das Unternehmen das Fluggeschäft nach China, wo das Coronavirus zum ersten Mal aufgetreten war, ausdünnen. Doch noch vor drei Wochen verlautete aus dem Konzern, man sei gut aufgestellt.

Das klang selbstbewusst. Und es passte zum Image des Chefs: Es ist das eines Machers. Seit 2014 ist der 1966 in Wanne-Eickel geborene Spohr Vorstandsvorsitzender bei Lufthansa - und seitdem an Erfolgserlebnisse gewöhnt. 2017 machte die Lufthansa täglich acht Millionen Euro Gewinn. Bei den Mitarbeitern, heißt es, kommt seine joviale Art gut an, und zumindest zu Anfang seiner Vorstandskarriere genoss der ehemalige Pilot beim fliegenden Personal einen Vertrauensvorschuss.

Doch wenn Spohr sich an diesem Dienstag an seine Aktionäre wendet, gerät die Verkündung von Milliardengewinnen zur Randnotiz. In dieser Woche fällt die Entscheidung, zu welchen Bedingungen der Staat dem Konzern mit Hilfen in Milliardenhöhe beispringt.

Eine Beteiligung des Bundes hat Spohr in der Vergangenheit abgelehnt: Was Lufthansa brauche sei staatliche Unterstützung, keine staatliche Geschäftsführung.

Doch je länger die Corona-Krise dauert, desto prekärer wird die Lage. Statt 350.000 Passagieren fliegen täglich nur noch etwa 3000 mit Maschinen des Konzerns. 130.000 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Schon jetzt drohen 10.000 Arbeitsplätze verloren zu gehen. Und selbst, wenn die Krise bald ein Ende haben sollte: Spohr, der seinen Familienurlaub gerade auf den Herbst verschoben haben soll, weiß, dass das Fliegen für lange Zeit nicht mehr so sein wird wie vor der Pandemie.

Dass der Mann aus dem Ruhrgebiet vermutlich trotzdem zuversichtlich bleibt, mag damit zusammenhängen, dass er in seiner Karriere schon eine ganz andere Krise erlebt hat: Den Absturz einer Maschine der Lufthansa-Tochter Germanwings 2015. Deren Pilot hatte das Flugzeug absichtlich in ein Bergmassiv gesteuert, alle 150 Menschen an Bord starben.

Spohr wurde damals für sein Krisenmanagement gelobt, ein Begriff, viel zu technisch für den Umgang mit der Tragödie. Ohnehin sei die damalige Situation mit nichts zu vergleichen, stellte der Lufthansa-Chef unlängst in der Wochenzeitung Die Zeit klar. In der Corona-Krise gehe es bei Lufthansa „um Geld und Arbeitsplätze“, sagte Spor, „nicht um 150 Menschenleben.“