Ein frisch vermähltes Brautpaar küsst sich. In der Corona-Krise ein eher seltenes Bild. (Symbolbild)
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Ganz in Weiß, kirchlich oder im Grünen und ganz unkonventionell: Von der perfekten Hochzeit haben Menschen unterschiedliche Vorstellungen. Mit Mindestabstand, Mundschutz und ohne Händeschütteln dürfte aber bei den wenigsten auf den Wunschliste gestanden haben. In der Corona-Krise sagen darum viele ihre Hochzeiten ab, große Feiern fallen aus. Floristen, Veranstalter und andere Gewerke leiden mit.

Maritta Emser, Inhaberin von Cecile-Brautmoden, berichtet von Dramen in ihrem Laden in Köln. Bräute hätten ihre Kleider nicht abholen können oder Anproben sausen lassen. Seit den coronabedingten Einschränkungen hätten 50 Prozent der vornehmlich weiblichen Kundinnen ihre Termine abgesagt. Jetzt ist der Laden wieder geöffnet. Wenn eine Braut nun zur Anprobe in den Laden kommt, wird ihr statt Champagner oder O-Saft ein Gesichtsvisier gereicht. Der Umsatz liege derzeit auf maximal 20 Prozent der regulären Einnahmen.

Bis zu 50 Prozent Rabatt auf Brautkleider

Auch im Brautmodengeschäft Princess Dreams in Berlin seien Tränen bei vielen Kundinnen geflossen, als der Laden schließen musste, berichtet Inhaberin Vanessa Funke. Ein Online-Shop ist für Funke nie in Frage gekommen. Die Kleider müssten anprobiert und in der Schneiderei angepasst werden, das gehe nur im direkten Kundenkontakt. Das Geschäft laufe nun langsam wieder an. Um Platz im Lager für die neue Kollektion zu schaffen, gibt es bei Funke teilweise 50 Prozent Rabatt auf die Kleider, die in der Corona-Krise keiner brauchte.

Auch wenn in vielen Fällen die große Feier ins Wasser gefallen ist, geheiratet wurde dennoch: Zwischen dem 16. März und dem 16. Mai haben sich in Köln 682 Paare das Ja-Wort gegeben - knapp 200 weniger als im Vorjahreszeitraum. 91 Hochzeiten wurden abgeblasen, die meisten hätten aber verschoben, hieß es von der Stadt.

In Leipzig haben im März 20 Paare ihre Trauung abgesagt, im April 38, und für den Mai haben es sich 56 vorerst anders überlegt. In Dresden wurden seit Mitte März insgesamt rund 88 Termine abgesagt. Etwa 60 Brautpaare davon haben ihren Termin den Angaben der Stadt zufolge auf das dritte und vierte Quartal verschoben, 21 haben 2021 einen neuen Termin reserviert. Auch im Standesamt, das für die Stuttgarter Innenstadt zuständig ist, haben im April im Vergleich zum Vorjahr nur halb so viele Paare geheiratet.

Bis Ende August sind Großveranstaltungen verboten

In den Bundesländern gelten derzeit unterschiedliche Regeln für das Heiraten: In Nordrhein-Westfalen beispielsweise sind Hochzeitsgesellschaften zwar wieder erlaubt - allerdings gelten weiter einschneidende Regeln. Gäste, die nicht zum gleichen Haushalt gehören, müssen einen Mindestabstand von 1,5 Metern halten und sollen sich weder die Hand geben noch umarmen.

Statt große Gesellschaften zu empfangen, stehen auch die vielen Hochzeitssäle derzeit leer - etwa der Kral Dügün Salonu in Frankfurt. Zahlreiche Reservierungen seien seither ausgefallen. Normalerweise würden nun auch Termine für das kommende Jahr gebucht. Derzeit stehe das Telefon aber still, sagt ein Mitarbeiter. Ähnlich geht es Mehmet Dogan, Inhaber von 20 Hochzeitssälen in Köln. Pro Saal hätten seit Mitte März etwa 25 bis 30 Hochzeiten stattfinden sollen. „Wir waren unter den ersten, die die Corona-Krise getroffen hat und werden voraussichtlich als letzte von Lockerungen profitieren“, so Dogan. Bis mindestens Ende August sind Großveranstaltungen verboten.

Sollte das auch für Hochzeiten gelten, würden etliche der meist von Familienbetrieben geführten Säle insolvent gehen, ist sich Dogan sicher. Die Fixkosten lägen pro Saal bei rund 15.000 Euro. Dogan hat darum gemeinsam mit mehr als 60 anderen Event- und Festhallenbetreibern den Verband der Eventlocations NRW gegründet. In vielen Branchen habe es schon Lockerungen gegeben, „das kann auch bei uns funktionieren.“ Mit dieser Forderung habe man sich auch an die Landesregierung in Düsseldorf gerichtet.

Ein weiterer Brief aus der Hochzeitsbranche ging an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Absender war der Bund der Deutschen Hochzeitsplaner. Deren Sprecherin ist Svenja Schirk. Sie hat alle Trauungen für dieses Jahr verschoben. Auf den meisten von ihr geplanten Feiern kämen rund 200 Gäste zusammen, viele reisten aus dem Ausland an. Auch wenn das Heiraten vielerorts möglich sei, habe das wenig mit der Traumhochzeit zu tun, die sich viele Paare wünschten, kommentiert Schirk. „Unsere Branche liegt brach.“ Es gibt keine gemeinsame Vertretung, „sehr viele der Unternehmen aus der Hochzeitsbranche stehen am existenziellen Abgrund“, hieß es in dem Brief.

Termin-Engpässe im kommenden Jahr wahrscheinlich

Weil die meisten Paare die Hochzeit verschieben, dürfte es im kommenden Jahr hingegen eng werden mit den Terminen. „Im Normalfall sind wir zwei Jahre im Voraus ausgebucht“, erläutert Schirk. Der Run auf besonders beliebte Termine ist auch in vielen Standesämtern groß.

Wo nicht geheiratet wird, werden auch keine Fotos gemacht. Der Umsatz für die Fotografinnen und Fotografen ist laut dem Bund professioneller Portraitfotografen zu fast 100 Prozent eingebrochen. Weil das Hochzeitsgeschäft besonders lukrativ ist, konzentrierten sich viele Fotografen auf das Saisongeschäft zwischen März und Oktober, bemerkt eine Sprecherin. Gerade im Hochzeitsjahr 2020 hätten viele Termine in den Kalendern der Fotografen gestanden, die nun weggebrochen seien.

Auch Leca, ein Zusammenschluss von 16 großen Catering-Unternehmen in Deutschland, klagt über Einbußen durch die wegfallenden Veranstaltungen, von denen auch Hochzeiten einen großen Teil ausmachen. Die Unternehmen seien mit Umsatzeinbußen von 90 Prozent und mehr bis September konfrontiert, heißt es von einem Sprecher. Bis Jahresende sei mit einem Gesamtumsatzrückgang von 75 Prozent zu rechnen. Das mache rund 125 Millionen Euro aus.

Blumen werden ebenfalls nicht benötigt. Die gesamte Branche sei massiv von den Veranstaltungsabsagen betroffen, erklärt Nicola Fink, Sprecherin des Fachverbands Deutscher Floristen. Neben Hochzeiten fielen etwa auch Kommunionen, Geburtstags-, Firmen- oder Trauerfeiern aus. „Die Absagen reichen weit bis in den Herbst hinein.“ Viele Mitarbeiter seien in Kurzarbeit geschickt worden. Ob es alle Floristen durch die Krise schaffen, könne erst am Ende des Jahres gesagt werden.