Corona als perfect storm: Rolläden runter beim stationären Modehandel, während online statt Kleidern und Schuhen lieber Nahrungs- und Putzmittel geshoppt werden.
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BerlinDer Onlinehandel ist mitnichten Nutznießer der Corona-Krise. Selbst Waren wie Kleidung, Elektronik oder diverse Freizeitartikel, die es in den Innenstädten dank Corona-Gesetzen nicht mehr zu kaufen gibt, bleiben vermehrt in den Onlineshops liegen. „Wir sehen nicht, dass der Onlinehandel das substituieren kann, was der Offlinehandel im Moment an Umsätzen verliert“, sagt Nils Busch-Petersen, Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg. 

Schlimmer noch: Um fast 20 Prozent sei der Internethandel im März 2020 gegenüber dem Vorjahreszeitraum eingebrochen, vermeldet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (BEVH). Es scheint, als sei den Konsumenten zumindest zeitweilig die Lust am Einkaufen vergangen.

„E-Commerce ist heute ein normaler Einkaufskanal. Deshalb wirkt sich solch eine Krise in der Konsumstimmung voll auf unsere Branche aus“, sagt Gero Furchheim, Präsident des BEVH. „Die Behauptung, der E-Commerce würde pauschal als ,Gewinner‘ aus der Corona-Pandemie hervorgehen, ist schlicht falsch.“

Quelle: bevh
Grafik: Sabine Hecher

Zalando senkt Umsatzprognose

Dass das Bekleidungsgeschäft nicht so richtig laufen will, bekommt auch Zalando zu spüren. Der Berliner Versandhändler hat seine Umsatzprognose bereits gesenkt und will nun mit einem millionenschweren Sparprogramm die Effekte der Corona-Pandemie abmildern. „Da die Verbraucher ihr Verhalten an die neue Situation anpassen und kurzfristig ihre Konsumausgaben einschränken, haben wir seit den Ausgangsbeschränkungen in mehreren Ländern negative Auswirkungen auf unseren Umsatz verzeichnet, was sich auch auf unser Finanzergebnis auswirkt“, heißt es in einem Brief des Vorstands.

Dabei ist Zalando als reines Online-Unternehmen noch im Vorteil gegenüber Einzelhandelsunternehmen, die ihr Geschäftsmodell in der Vergangenheit weniger stark auf das Onlinegeschäft ausgerichtet haben. Und das betrifft den Großteil der Branche. Wohl auch aus einem nachvollziehbaren Grund: Laut Statista sind im vergangenen Jahr 87 Prozent aller Modeeinkäufe in Europa stationär getätigt worden. „Wer jetzt erst anfängt, einen Onlineshop aufzubauen, ist natürlich im Hintertreffen“, sagt Busch-Petersen. Allein die IT-Fachkräfte, die es bräuchte, um einen Webshop aufzubauen, sind gerade jetzt nur schwer zu bekommen. Auch deshalb bewertet er eine Initiative von Zalando, das eigene Portal unentgeltlich kleineren Händlern für die Zeit der Corona-Krise zur Verfügung zu stellen, als fair. Es muss eben nur auch von den Kunden angenommen werden.

Lebensmittel werden online stärker nachgefragt

Paradoxerweise steigt im Gegenzug der Umsatz von Lebensmitteln, Drogerieartikeln und Medikamenten. Also genau jener Waren, die es noch im stationären Handel zu kaufen gibt. Die Steigerungsraten hier sind enorm: Laut Erhebung des BEVH erzielte der Online-Lebensmittelhandel einen um rund 56 Prozent höheren Umsatz im Vergleich zum vergangenen März. Wer kann und praktisch alles im Sortiment hat, stellt sich darauf ein: Der Versandhandelsriese Amazon etwa priorisiert mittlerweile bestimmte Produktgruppen, die stark nachgefragt werden. Für andere Produkte hingegen müssen längere Lieferzeiten in Kauf genommen werden.

Die großen Paketzusteller versichern, dass es trotz dieser Umschichtungen nicht zu Logistikproblemen kommen werde. Da die Paketmengen an Firmen und Geschäfte stark nachgelassen hätten, wären genügend Kapazitäten frei selbst für einen stark steigenden Paketversand an Privatpersonen, heißt es vom Zusteller DPD.

Die Deutsche Post/DHL verzeichnet zwar ebenfalls einen starken Anstieg von Paketsendungen, durch die seit Jahren wachsenden Mengen in Vorweihnachtsgeschäft sei man aber auch mit solchen Herausforderungen vertraut, beruhigt eine Sprecherin. Es könne zwar zu punktuellen Verzögerungen kommen, jedoch: „Bisher kommen die allermeisten Sendungen, wie sonst auch, ohne Verzögerungen bei den Empfängern an“, so die Sprecherin.