Durch Corona-Maßnahmen wird Europa nach der Krise geschwächt sein.
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Trotz des globalen Corona-Ausnahmezustands dreht sich die Welt weiter. Die Pandemie wird irgendwann enden. Die Weltordnung könnte dann eine andere sein, als wir sie noch kennen. Die Orientierung fällt schwer. Denn während US-Präsident Donald Trump anfangs noch vom „chinesischen Virus“ gesprochen hat, so hat er diese Formulierungen inzwischen zurückgenommen. Sein Außenminister Mike Pompeo, einer der Hardliner gegen China, macht weiter China für den Ausbruch der globalen Verseuchung verantwortlich.

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Erste republikanische Politiker wollen ein Gesetz durchbringen, das Hilfszahlungen an chinesische Unternehmen aus dem US-Rettungspaket verhindert. Der Kampf gegen China war eines der wichtigsten Ziele der Trump-Kampagne. Lautester Proponent dieser Auseinandersetzung ist Trumps Chefideologe Steve Bannon. Er sagt: China wolle eine neue merkantilistische Ordnung und mit dieser die Weltherrschaft erringen. Als deutlichstes Symbol dieses Anspruchs diene das Projekt der „Neuen Seidenstraße“: Der Handelsweg soll China und Europa verbinden.

China: Gigantischer Schuldenberg

Doch nach Corona scheint das Projekt gefährdeter denn je: Grenzen werden geschlossen, Lieferketten unterbrochen, die globale Logistik stockt. Auch die chinesische Wirtschaft selbst ist von der monatelangen Quarantäne schwer getroffen. Zwar hat die Produktion wieder eingesetzt. Die Fabriken nehmen langsam ihre Arbeit wieder auf. Der Energieverbrauch steigt.

China hat die Weltwirtschaft schon einmal gerettet: Nach der Finanzkrise 2008 hat Peking ein milliardenschweres Konjunkturprogramm aufgelegt. Viele westliche Unternehmen und Banken haben davon profitiert. Allerdings war das Paket schuldenfinanziert: Nun droht China von einem gigantischen Schuldenberg erdrückt zu werden. Experten zweifeln, dass China noch einmal für die globale Wirtschaft in die Bresche springen kann.

Italien: Hilfe von Russland

In einem angeblichen Krieg gegen ein Virus fällt es allen Beteiligten schwer zu erkennen, wer Feind und wer Freund ist. Nicht jede „Hilfe“ ist willkommen. Der italienische Außenminister Luigi Di Maio wurde in einem Interview mit der Zeitung Corriere della Sera richtig zornig, als er gefragt wurde, warum er die Hilfe der Russen im Kampf gegen das Virus annehme. Di Maio sagte, sein Land nehme jede Hilfe an – egal, ob sie aus den USA, Frankreich oder Deutschland komme. Dies sei „kein Thema des Kalten Krieges“. Es die „Realität oder Realpolitik“.

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Di Maio sah sich gezwungen, den Einsatz der Russen zu verteidigen, nachdem etwa hundert Medizin-Spezialisten der russischen Armee nach Bergamo gekommen waren, um den Italienern bei der Bekämpfung der Seuche zu helfen. Laut Angabe des russischen Verteidigungsministeriums unterstützen Militärvirologen und andere Spezialisten die italienischen Coronavirus-Patienten. Auf einem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe von Bergamo wurde ein Feldlabor für Polymerase-Kettenreaktions-Analysen sowie Genotypisierungs- und Desinfektionsanlagen eingerichtet.

Antagonisten der neuen Weltordnung

Die Zusammenarbeit kommt in einem Klima des gegenseitigen Misstrauens: Denn so intensiv der globale Handel auch vor Corona gewesen sein mag – die Supermächte betrachten Handel immer zuerst als Mittel zum Zweck. Es geht um die Durchsetzung ihrer Interessen. Daher haben auch die weltweiten Kriege während des Corona-Shutdowns keine Pause eingelegt.

Im Jemen etwa vollzieht sich, unbeachtet von der Weltöffentlichkeit, eine gravierende Veränderung: Das Land dürfte vor der Teilung stehen. Saudi-Arabien muss um seine staatliche Einheit kämpfen und wehrt sich mit einem mörderischen Dumping-Wettbewerb um Erdöl. Die Türkei versucht weiter, ihre Gebietsansprüche durchsetzen. Das Völkerrecht ist über weite Strecken so massiv ausgehebelt wie die Bürgerrechte durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus.

Das Magazin Foreign Affairs nennt in einer aktuellen Analyse die USA und China als Antagonisten der neuen Weltordnung. Europa spielt in diesem Szenario keine Rolle mehr. Die Schwächung durch die Corona-Maßnahmen wird dem alten Kontinent den Rest geben.