Für viele Einzelunternehmer ist Corona eine ernste Prüfung.
Foto: Unsplash/Razvan Chisu

BerlinDie Corona-Krise legt Deutschland lahm. Die Existenz vieler Unternehmen steht auf dem Spiel. Doch was kann man tun, um sein eigenes Business durch diese schwere Krise zu bekommen? Den Kopf in den Sand zu stecken und alles seinen Lauf nehmen zu lassen, ist der falsche Ansatz. Verena Kiy, Expertin für Unternehmensführung und Inhaberin von Verena Key – Speaking & Consulting, erklärt im Interview, welchen Weg sie eingeschlagen hat, um ihre Coachings weiterlaufen zu lassen – aber auch, welche anderen Möglichkeiten jeder hat.

Lesen Sie die aktuellen Entwicklungen in unserem überregionalen Newsblog zum Coronavirus oder alles Wichtige aus der Region im Berlin-Newsblog zum Coronavirus. >>

Was bedeutet die derzeitige Corona-Situation für viele Unternehmen?

Für die meisten Unternehmen geht es um den Erhalt ihrer Existenz, vor allem für die Einzelkämpfer unter uns. Sie müssen sich neu strukturieren, lernen, mit neuen Emotionen umzugehen und dürfen nicht in die Lethargie verfallen. Somit prallen viele Punkte aufeinander, mit denen sie sich gerade gleichzeitig auseinandersetzen müssen. Zusätzlich ist Ruhe und Zuversicht gegenüber eventuellen Mitarbeitern gefragt, um den Betrieb am Laufen zu halten. Eine nicht ganz einfache Aufgabe zurzeit.

Was können Einzelunternehmen konkret tun?

Gerade jetzt ist es sehr wichtig, die Routinen beizubehalten und nicht den Kopf in den Sand zu stecken. Auf der einen Seite sollte die Kommunikation derzeit mit den Kunden und auch den Kooperationspartnern eher über persönliche Telefonate oder Videocalls erfolgen, anstatt durch E-Mails. Das direkte Wahrnehmen des Gegenübers bringt alle etwas näher zusammen. Auf der anderen Seite ist es ratsam, die aktuelle Krise mit Kollegen, Kunden und Partnern zu thematisieren, um gemeinsam Lösungen zu finden.

Lesen Sie auch: Corona-Krise: Kurzarbeitergeld reicht nicht – so beantragen Sie Zuschüsse >>

Gibt es etwas, was Unternehmer jetzt auf keinen Fall tun sollten?

Sie dürfen sich nicht in den negativen Gedanken verlieren oder zulassen, dass die Angst überhandnimmt. Ebenfalls ist blinder Aktionismus der falsche Rettungsanker in der Not. Hinzu kommt, dass Angst alles ist, aber kein guter Berater. Sie lähmt uns in unserem Denken und Handeln, führt zu überschnellen Reaktionen und unterm Strich ist die Angst das Gift für unser Immunsystem. Wir können einfach nicht mehr objektiv entscheiden, aber genau das ist es, was wir in dieser verrückten Zeit brauchen.

Wie wichtig sind jetzt ein stabiles Mindset und eine klare Haltung?

Aus meiner Sicht ist das nicht nur in der aktuellen Situation ein Muss. Egal ob in der Krise oder nicht: Als Unternehmer müssen wir uns mentale Stärke antrainieren und uns bewusst machen, wie wichtig diese für unseren Erfolg und auch für unsere Gesundheit ist. Ich tue das jeden Tag, denn auch mir geht es nicht immer gleich gut.

Ich weiß schon jetzt, dass der ein oder andere sagen wird: „Hört mir bloß auf mit diesem Mindset-Quatsch.“ Diese Einstellung hatte ich vor drei Jahren auch noch. Jedoch habe ich gelernt, dass es mit einer klaren Haltung besser funktioniert. Wir sollten nie die Kraft unserer Gedanken unterschätzen, denn wer nur meckert und nie in sich hört, wird über kurz oder lang auf keinen grünen Zweig kommen.

Macht Vertrieb in dieser Zeit überhaupt Sinn?

Ich habe dazu meine eigene Meinung, denn ich komme aus dem Vertrieb und ich liebe es immer noch. Dennoch glaube ich, dass in der aktuellen Situation Empathie und Sensibilität mehr denn je gefragt sind. Vertrieb ist erst dann erfolgreich, wenn ich meinen Kunden ganzheitlich betrachte. Jetzt auf Teufel komm raus zu verkaufen oder die Preise zu senken, ist eher kontraproduktiv.

Denn auch die Kunden haben derzeit andere Sorgen. Daher geht es aus meiner Sicht nicht darum, schnell irgendwie etwas zu verkaufen, sondern an seinen Kunden dran zu bleiben und sie zu binden.

Lesen Sie auch: Leben in der Geisterstadt: Was macht das mit uns? >>

Und Marketing?

Bei dem Thema Marketing kann ich nur anraten, jetzt nicht nachzulassen. Unternehmer sollten sich ins Gespräch bringen und auf den Social-Media-Plattformen Präsenz zeigen. Die Hilfe bei ehrenamtlichen Tätigkeiten anzubieten und dies auf den Online-Netzwerken zu präsentieren, sind jetzt besonders wichtig, um bei den Kunden im Gedächtnis bleiben.

Wie gehen Sie selbst mit dieser Krise um? Welche Möglichkeiten haben Sie in Betracht gezogen und auch umgesetzt, um Ihre Existenz aufrecht zu halten?

Ich biete schon immer Online- als auch Offline-Angebote an. Das einzige, was ich gerade tue, ist für meine Online-Coachings und Short Business Talks mehr in die Werbung zu gehen. Abgesehen davon habe ich Kunden, die sonst Workshops bei mir abrufen, angeboten, das ein oder andere Thema als Webinar zu erwerben. Zusätzlich habe ich die Unterstützung und Beratung bei strategischer (Neu-)Ausrichtung und deren Begleitung in meinem Angebot aufgenommen.

Haben Sie einen Rat, welchen Sie Unternehmern mit auf dem Weg geben können?

Wichtig ist es, jetzt einen ruhigen Kopf zu behalten und die Schritte einzuleiten, die notwendig sind. Bei dem einen kann es die Kurzarbeit und somit die finanzielle Entlastung sein. Bei dem anderen sind es die offenen Gespräche mit Kunden.

Am wichtigsten ist es jedoch, den Mut nicht zu verlieren und den Fokus darauf zu legen das eigene Business erfolgreich durch diese Zeit zu bringen.

Das Corona-Update als Newsletter

* Hierbei handelt es sich um Produkte, die von der oben genannten Gesellschaft angeboten werden: gedruckte/digitale Presseprodukte ggf. mit Zugaben sowie Produkte des Verlags: Bücher, Reisen, Veranstaltungen.