Viele Betriebe sind durch die Corona-Pandemie gefährdet.
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BerlinDie wirtschaftlichen Folgen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie könnten nach Ansicht der Weltarbeitsorganisation ILO bis zu 25 Millionen Menschen weltweit in die Arbeitslosigkeit treiben. Das gab der Generaldirektor der ILO, Guy Ryder, am Mittwoch in London bekannt. In einem Report beziffert die ILO den weltweiten Einkommensverlust, der sich für die Arbeitnehmer dadurch ergibt, mit zwischen 860 Milliarden Dollar und 3,4 Billionen Dollar bis zu Ende des Jahres 2020.

Die ILO fordert daher die Regierung auf, umgehend erhebliche Beträge aufzubringen, um die zahlreichen gefährdeten Betriebe zu retten. Doch der Spielraum der Staaten ist gering, weil die meisten in den vergangenen Jahren ihre Schuldenberge vergrößert haben.

Massiver Zinsanstieg

Die Geldgeber trauen den Staaten die Bewältigung der Krise nur in Maßen zu. Die Skepsis hat am Mittwoch zu einem massiven Anstieg der Zinsen für europäische Staatsschulden geführt. Italien und die anderen südeuropäischen Staaten sowie Frankreich und Großbritannien müssen wegen der staatlich finanzierten Rettungsprogramme für Unternehmen und Arbeitnehmer erheblich mehr zahlen, um Geld aufzunehmen. In Italien stieg die Rendite um über 30 Basispunkte – obwohl eine Sprecherin der Europäischen Zentralbank (EZB) zuvor gesagt hatte, die EZB stehe bereit, den Italienern zu helfen. Doch die Verunsicherung ist groß: Selbst Deutschland wird in diesem Zusammenhang nicht mehr als ganz sicherer Hafen gesehen: Die Zinsen für deutsche Staatsanleihen (Bunds) erreichten am Mittwochnachmittag erstmals seit langem wieder die Null-Linie: Seit Jahren haben Anleger im Zuge der Negativzins-Politik der EZB dafür bezahlt, dass Deutschland Kredite von ihnen annimmt. Damit ist es nun vorbei. Analysten sagten auf Bloomberg, dass es Zweifel gäbe, ob sich die Staaten die milliardenschweren Rettungsprogramme leisten können. Die Rabobank schreibt an ihre Kunden, die Verteuerung der deutschen Papiere sei ein Hinweis, dass mit einer allgemeinen Verschlechterung der öffentlichen Finanzen in der gesamten Euro-Zone gerechnet werde. Martin Enlund von der Nordea-Bank sagte Bloomberg, es sei mit Staatspleiten zu rechnen. Daher richtet sich der Blick nun auf gemeinsame europäische Schuldtitel – etwas, was Deutschland bisher kategorisch abgelehnt hat. Enlund: „Vollwertige Eurobonds, eine richtige Fiskalunion oder eine Fiskalunion durch die Hintertür über massive EZB-Tricks könnten sich als nicht allzu weit in der Zukunft liegend erweisen.“

Doch nicht nur die europäischen Staaten haben mit signifikanten Problemen zu kämpfen. Im Schatten der Corona-Krise drückt Saudi-Arabien den Ölpreis weiter, indem es seine Förderung trotz des Preisverfalls weiter hochhält. Am Mittwoch sackte der Preis für ein Barrel der Sorte Brent auf fast 26 Dollar ab – ein Wert, wie es ihn seit 17 Jahren nicht mehr gegeben hat. Dieser Preisverfall trifft die US-Fracking-Industrie empfindlich. Die US-Regierung hatte in den vergangenen Jahren die Förderung von Schiefergas mit Milliarden aus Steuergeldern gefördert. Bei einem solch niedrigen Ölpreis rentiert sich das Geschäft jedoch nicht mehr.

Schecks an Unternehmen

Die US-Regierung könnte ihre Investments verlieren – und das zu einem Zeitpunkt, da sie wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise mehr Geld denn je braucht. Am Mittwoch kündigte US-Finanzminister Steven Mnuchin an, die Regierung werde sogenanntes Helikoptergeld einführen: Schecks in Höhe von 200 Milliarden Dollar sollen an große Unternehmen fließen. Kleine Unternehmen sollen mit insgesamt 300 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die Schecks sollen den Unternehmen geschenkt werden, also anders als Kredite nicht rückzahlbar sein. Die Zustimmung der Republikaner zu der Maßnahme steht noch aus.

Auch Russland ist vom Ölpreis-Verfall betroffen. Der Rubel gab am Mittwoch deutlich nach. Allerdings hielt der Anstieg des US-Dollars an, von dem Russland profitiert, weil der Großteil seiner Öl-Einnahmen in Dollar fakturiert wird.