Erweitertes Angebot: Einmal für die Kurzstrecke, einmal für die Langstrecke.
Foto: Tier

BerlinVor einigen Wochen tauchten erste Gerüchte auf, die der Berliner E-Scooter-Verleiher nicht kommentieren wollte, jetzt werden sie bestätigt: Das Unternehmen Tier Mobility steigt in den Markt für E-Moped-Sharing ein. Dafür erwirbt Tier insgesamt 5.000 Sitzroller sowie die dazugehörige Ladeinfrastruktur von Coup Mobility. Darauf haben sich nach eigenen Angaben die Firmen Tier und Coup geeinigt. Im Mai sollen die ehemaligen Coup-Roller unter dem Tier-Label in Berlin auf die Straßen kommen.

Für die elektrischen Coup-Roller ist es ein Comeback nach fünfmonatiger Pause. Dreieinhalb Jahre gehörten die grün-schwarzen Stromscooter zum Stadtbild. Im Sommer 2016 war Coup vom sogenannten Digital Ventures-Team der Unternehmensberatung Boston Consulting Group aufgebaut und dann an Bosch verkauft worden. Allein in Berlin hatte Coup 1500 E-Mopeds im Einsatz, bis die Bosch-Tochter Ende November überraschend zum Jahresende seinen Rückzug aus dem Geschäft bekannt gab. Auch in Madrid und Paris wurde das Geschäft eingestellt.Nun übernimmt das Unternehmen Tier die gesamte Roller-Flotte und erweitert somit sein Mobilitätsportfolio.

Roller werden in Tier-App integriert

Tier-Chef und -Gründer Laurence Leuschner sieht darin einen ganz wichtigen Schritt beim Aufbau einer multimodalen Plattform. „Wir haben wertvolle Erfahrung bei den E-Scootern gesammelt und können diese nun auch im Bereich der E-Mopeds effektiv einsetzen“, sagt Leuschner. Die Coup-Roller seien für alle, die sich ein etwas schnelleres Fahrzeug für Mittelstrecken von vier bis zehn Kilometern  wünschen. Um das möglichst bequem zu machen, werden in den nächsten Wochen die neuen Sitzroller in die Tier-App integriert.

Über den Kaufpreis der Fahrzeug-Flotte macht Tier keine Angaben. Wie es heißt, seien auch ausschließlich die Fahrzeuge inklusive Ladeinfrastruktur übernommen worden, nicht die Kundenkartei von Coup. In welchen Städten Tier die Strom-Mopeds einsetzen wird, ist derzeit noch offen. Einzig Berlin ist sicher. Hier sollen ab Mai „mindestens 1500“ Roller an den Start gehen.

Investoren stellten Kapital zur Verfügung

Den Großeinkauf hatte das Berliner Unternehmen mit Sitz am Potsdamer Platz tatsächlich schon lange vorbereitet. Offen war wohl nur die Finanzierung, aber auch die wurde in der vergangenen Woche gesichert. Denn erst am Freitag gab Trier bekannt, dass in einer weiteren Finanzierungsrunde bei Investoren mehr als 40 Millionen US-Dollar eingesammelt wurden.

Insgesamt wurde das erst 2018 gegründete Unternehmen mit über 100 Millionen US-Dollar Wagniskapital ausgestattet. Es verleiht seine elektrifizierten Tretroller mittlerweile in mehr als 50 Städten in zwölf Ländern und verfügt nach eigenen Angaben über die größte E-Scooter-Flotte in Europa. Nun kommen also noch die elektrischen Sitzroller hinzu. Weitere Fahrzeugarten wie E-Bikes oder Lastenräder könnten folgen.