Deutsches Bier genießt Weltruf, und nirgendwo wird mehr Hopfen angebaut als hierzulande. Das war schon immer so, aber Letzteres wird sich demnächst ändern. „Es sieht so aus, als würden US-Pflanzer unsere Hopfenzüchter schon bei dieser Ernte überholen, spätestens aber 2016“, sagt Stephan Barth. Er ist Co-Chef des gleichnamigen sowie weltgrößten Hopfenvermarkters und kennt die Branche wie kaum ein anderer. Fast 100 000 Tonnen des Bier-Rohstoffs wurden 2014 weltweit geerntet auf einer Anbaufläche von rund 50 000 Hektar, ein Drittel davon entfällt auf Deutschland. Aber in den USA werden Hopfenanbauflächen massiv ausgeweitet.

Der Grund dafür liegt im Craftbier-Boom in den USA, der inzwischen nach Deutschland rüberschwappt. Craftbier ist ein von Kleinbrauereien hergestellter, oft stärkerer Gerstensaft mit speziellen Aromahopfen, die ihm Geschmacksnoten von Orange, Schokolade, Heu oder Zitronengras verleihen. Dabei werden keine künstlichen Stoffe zugesetzt. Es ist der Hopfen, der die Aromanoten ergibt. In den USA, die lange Zeit für ihre Bier-Plörre verrufen waren, haben die Craftbiere den Geschmack vieler Kunden getroffen. Sie haben mittlerweile in den USA einen Marktanteil von zehn Prozent.

Verbrauch deutlich größer

Dafür ist der Hopfenverbrauch enorm. „Craftbrauer verbrauchen in den USA deutlich mehr Hopfen als alle übrigen US-Brauer mit 90 Prozent Marktanteil“, sagt Barth. Im globalen Maßstab habe Craftbier einen Marktanteil von eineinhalb bis zwei Prozent. Zugleich verbrauche dieser kleine Sektor rund 15 Prozent der Welthopfenmenge.

In Deutschland führen die Craftbiere noch ein Nischendasein. Auf etwa 100 000 Hektoliter Ausstoß kommen alle Hersteller in der Summe, schätzt Barth. Gemessen am gesamten Bierausstoß von im Vorjahr 96 Millionen Hektolitern ist das ein kaum nennenswerter Marktanteil von 0,1 Prozent. US-Craftbrauer dagegen schaffen das Hundertfache, und das erklärt, warum die USA nun Deutschland als Hopfennation Nummer eins ablösen.

Dabei könnten nicht nur die heimischen Hopfenpflanzer neue Impulse gut gebrauchen. Auch die hiesigen Brauer sind nach einem Ausnahmejahr 2014 gerade erst auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt worden. 2014 war der Bierausstoß deutscher Brauer nach Jahren unerbittlicher Rückgänge erstmals wieder gestiegen. Die Fußball-WM in Brasilien und perfektes Bierwetter hatten es möglich gemacht. „Wir erleben gerade eine Renaissance des Bieres“, hatte der Deutsche Brauerbund damals jubiliert. Auf den Rausch folgte der Kater. Zum Halbjahr 2015 hat das statistische Bundesamt für deutsche Brauer einen mehr als zweiprozentigen Rückgang des Bierausstoßes errechnet.

Absatz sinkt weltweit

Aber die Branche leidet nicht nur in Deutschland. Voriges Jahr ist die weltweite Bierproduktion erstmals seit Langem zurückgegangen, um gut ein halbes Prozent auf knapp zwei Milliarden Hektoliter. Dieses Jahr kommt es wohl schlimmer. „2015 wird bedeutend schlechter ausfallen“, befürchtet Barth und schätzt Rückgänge von über einem Prozent in der Weltbierproduktion. Verantwortlich seien die Krisenländer dieser Welt, die vor allem auch große Bierverbraucher sind. Das sind China als weltweite Nummer eins sowie Russland und Brasilien, die auf Rang drei und sechs der Braunationen liegen. Deutschland ist Vierter hinter den USA.

„Es ist ein Mythos, dass Krisen gut für Bierbrauer sind“, stellt Barth klar. Hierzulande läuft die Wirtschaft zwar gut, aber die Bevölkerung schrumpft unerbittlich und damit die Zahl der Biertrinker. Stoppen oder ins Gegenteil verkehren könnte den schwindenden Bierdurst wohl nur eine Revolution des Brauens wie in den USA. Wenn sie überhaupt kommt.