In Berlin gehen mehr, in Brandenburg weniger Firmen als im Bundesdurchschnitt insolvent.
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Martin Gerten

Düsseldorf/BerlinDie Insolvenzgefahr ist für Unternehmen in Berlin größer als in fast allen anderen Bundesländern. Mit 92 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen belegte die Hauptstadt in der ersten Jahreshälfte den zweiten Platz im deutschlandweiten Pleiteranking der Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Nur Bremen schnitt noch schlechter ab (mit 116 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen), berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Berlin lag in der ersten Jahreshälfte über dem Bundesdurchschnitt von 54 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen. Am geringsten war die Pleitegefahr bei Firmen in Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 30 und 36 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen.

Brandenburg verzeichnete 44 Pleiten je 10.000 Unternehmen. Damit ist die Insolvenzgefahr für Unternehmen in Brandenburg geringer als in den meisten anderen Bundesländern. 

Creditreform befürchtet Insolvenzwelle im 2. Halbjahr

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform befürchtet wegen des von der Corona-Krise ausgelösten massiven Konjunktureinbruchs eine Insolvenzwelle in der zweiten Jahreshälfte. Mit dem Auslaufen der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht Ende September werde sich die Zahl der Insolvenzanträge deutscher Unternehmen „erheblich erhöhen“, prognostizierten die Experten am Montag in Düsseldorf.

Im ersten Halbjahr verringerte sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in der Bundesrepublik allerdings im Vergleich zum Vorjahreszeitraum noch einmal um 8,2 Prozent auf 8900 Fälle. Das Insolvenzgeschehen habe sich damit von der tatsächlichen Situation abgekoppelt, betonten die Creditreform-Experten. Hier machten sich vor allem die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bemerkbar.

Die Insolvenzwelle sei damit aber nur vertagt worden, urteilten die Fachleute. Das Risiko einer deutlichen Verschärfung des Insolvenzgeschehens in der zweiten Jahreshälfte und im kommenden Jahr steige.

Kaum einen Effekt der Corona-Krise sieht Creditreform bislang bei den Verbraucherinsolvenzen. Die Zahl der Privatpleiten verringerte sich in den ersten sechs Monaten weiter um 6,4 Prozent auf 30.800. Die schwieriger werdende Situation auf dem Arbeitsmarkt werde sich aber mit Verzögerung auch bei den Verbraucherinsolvenzen bemerkbar machen, prognostizierten die Experten.