"Die Entscheidung für Crowdinvesting ist mir nicht leicht gefallen", gibt Benjamin Esser zu. Schließlich muss der Chef und Gründer des Berliner Online-Shops Urbanara in Zukunft Quartalsberichte vorlegen, Ad-Hoc-Meldungen herausgeben, auf Hauptversammlungen und auch sonst seinen Geldgebern jederzeit Rede und Antwort stehen. Diese Regeln legt ihm die Berliner Crowdinvesting-Plattform Bergfürst auf, über die er bis zu 3,7 Millionen Euro von 2000 bis 3000 Investoren einsammeln will – als erster Emittent überhaupt.

Das Geld benötigt Esser, um noch mehr Produkte anzubieten, um international zu wachsen und zusätzliches Personal einzustellen. Momentan sind es 42 Leute, die in Berlin (und ein kleiner Teil in Shanghai) für Urbanara arbeiten. Unter dieser Eigenmarke verkauft Esser seit zweieinhalb Jahren hochwertige Wohn-Accessoires, die Märkte sind Deutschland und England. 1,8 Millionen Euro setzte Urbanara 2012 um, in diesem Jahr peilt Esser 4,3 Millionen an. Und im zweiten oder dritten Quartal 2014 soll das Unternehmen profitabel wirtschaften.

Doch zurück zum Crowdinvesting. Crowd steht im Englischen für Menge oder Menschenmasse. Im Prinzip geht es dabei darum, über Online-Plattformen bei Privatinvestoren Geld für Projekte oder junge Unternehmen einzusammeln.

Im Gegensatz zum Crowdfunding, wo Investoren Geld als Spende zur Verfügung stellen, können sie beim Crowdinvesting Rendite für ihr Geld erwarten. Bei Plattformen wie Seedmatch, Companisto oder Innovestment geschieht dies meist in Form einer Stillen Einlage oder eines Nachrangdarlehens. Bergfürst ist die erste Plattform, die einen anderen Weg geht: Die Anleger erwerben für Beträge ab 250 Euro stimmberechtigte Eigenkapitalbeteiligungen in Form von Aktien. Diese Aktien können über Bergfürst auch gehandelt werden.

Kapitalbedarf von zwei bis zehn Millionen Euro

Geplant ist also eine Art Börse, für die auch eine Zulassung der Finanzdienstleistungsaufsicht Bafin nötig war. Dass diese Zulassung so lange dauerte, sei einer der Gründe gewesen, warum der erste Emittent erst an diesem Donnerstag startet – mit mehr als einem Jahr Verzögerung, sagt Bergfürst-Geschäftsführer Guido Sandler.

Nun wollen Sandler und sein Geschäftspartner Dennis Bemmann, dem Gründer von studiVZ, aber durchstarten: Das nächste Unternehmen soll bereits Ende November emittieren. Pro Jahr will Bergfürst künftig sechs bis zehn neue Unternehmen präsentieren.

Sandler und Bemmann wollen sich auf die Finanzierung von Unternehmen in der Frühphase konzentrieren, die aus dem Gröbsten heraus sind und einen Kapitalbedarf von zwei bis zehn Millionen Euro haben. Denn in dieser Größenordnung sieht Sandler in Berlin eine Lücke. Für Gründer, die noch ganz am Anfang stünden, gebe es genügend sogenannter Angel Investors, zur Finanzierung von bereits etablierten Unternehmen wiederum stießen zahlreiche angelsächsische Investoren in den Markt.