Daimler: Daimler kommt ins Schlingern

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Was will der Vorstandsvorsitzende uns damit sagen? Daimler-Chef Dieter Zetsche sprach auf der Hauptversammlung seines Konzerns von zurückgehender Nachfrage in Europa. Auch in den kommenden Monaten sei „wenig Rückenwind“ zu erwarten. Der Vorstand werde deshalb überprüfen, ob die „bisherigen marktbezogenen Annahmen für 2013 noch Gültigkeit haben“.

Analysten wie Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler interpretieren dies als „halbe Gewinnwarnung“. Die ganze Wahrheit wird Zetsche wohl in zwei Wochen offenbaren, wenn Daimler das komplette Zahlenwerk für das erste Quartal vorlegt. Die Analysten der Bank HSBC jedenfalls rechnen damit, dass der operative Gewinn in diesem Jahr um fast ein Viertel auf nur noch rund 6,8 Milliarden Euro einbrechen wird. Diese Annahme ist plausibel.

Zwar hat die Pkw-Sparte Mercedes Benz, die mit Abstand wichtigste Division des Konzerns, im ersten Vierteljahr den Absatz um 2,8 Prozent gesteigert. Das Plus wurde aber weitgehend vom US-Geschäft getragen. Im heimischen Markt, dem zweitwichtigsten, ging es mit einem Minus von sechs Prozent talwärts – obwohl Mercedes gerade mit zwei nagelneuen Modellreihen für den Massenmarkt unterwegs ist, der A- und der B-Klasse. Noch schwerer wiegt, dass hierzulande ebenso wie bei unseren europäischen Nachbarn ein Preiskampf tobt.

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Rabatte auf Rekordniveau

Nach einer Studie des Center Automotive Research der Uni Duisburg-Essen sind die Rabatte in Deutschland auf Rekordniveau. Mercedes agierte in den zurückliegenden Monaten massiv mit Eigenzulassungen – wenn Hersteller und Händler zu diesem Mittel greifen, wollen sie den Absatz künstlich hochhalten, aber zugleich die selbst zugelassenen Autos mit extremen Nachlässen losschlagen. Genau das dürfte den Gewinn von Daimler zum Jahresbeginn massiv gedrückt haben.

Dabei sind die Stuttgarter Autobauer nur ein Beispiel, das zeigt, wie sich die Eurokrise, die in den südlichen Ländern begann, eine Autokrise nach sich zieht, der sich kaum ein Hersteller entziehen kann. Längst sind auch die deutschen Konsumenten stark verunsichert, verschieben größere Anschaffungen. Der Volkswagenkonzern, Europas Nummer eins, bekommt dies schmerzhaft zu spüren. Auf dem Heimatmarkt brach der Absatz der Marke VW im ersten Quartal um 15 Prozent ein, im übrigen Westeuropa um zehn Prozent. Die Marke VW konnte sich durch überraschend hohe Zuwächse in China (plus 24 Prozent) retten.

Daimler kann das nicht. Im Reich der Mitte hat der Konzern viel verschlafen und ist nun dabei, die gesamte Vertriebsorganisation umzukrempeln. Im ersten Vierteljahr schrumpfte der Absatz der Pkw-Sparte um 11,5 Prozent.

Das China-Geschäft müsse nun aber Fahrt aufnehmen, sagte Zetsche auf der Hauptversammlung. Er gab sich optimistisch. Er setzt unter anderem auch auf Indien. Die Fertigungskapazitäten sind dort rasant ausgebaut worden. Die neue A-Klasse soll ein Erfolgsmodell werden. Doch just der indische Automarkt ist im ersten Quartal überraschend heftig um fast sieben Prozent eingebrochen. In dem Riesenland verlangsamt sich das Wachstum, hohe Zinsen kommen hinzu. Ähnlich sieht es in einem anderen großen Schwellenland aus, auf dem viele Hoffnungen von Zetsche und anderen Managern ruhen: Brasilien. Experten erwarten, dass 2013 der Automarkt nur noch um zwei Prozent wächst – statt der bislang erwarteten sieben Prozent.